25.01.2011 Zusammenhang zwischen Lungenerkrankungen und Diabetes

Lungenerkrankungen sind signifikant mit der Entstehung von Typ-2-Diabetes und akuten tödlichen koronaren Ereignissen assoziiert. Dies ergibt eine prospektive Studie.

Störungen der Lungenfunktion, das Risiko für Typ-2-Diabetes und fatale und nichtfatale KHK-Ereignisse: Möglicher Zusammenhang mit chronischen Entzündungen

Wannamethee G, Shapper G; Rumley A, Sattar N, Whincup P, Thomas M und Lowe G; London, England

Lung function and risk of type 2 Diabetes and fatal and nonfatal major coronary heart disease events: possible associations with inflammation

Diabetes Care 2010; 33: 1990-1996


Einleitung/Fragestellung: In einer prospektiven Studie wurde der vermutete pathophysiologische Zusammenhang zwischen Störungen der Lungenfunktion, der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes sowie akute und chronische Ereignisse einer koronaren Herzerkrankung untersucht, mit der hypothetischen Annahme einer gemeinsamen inflammatorischen Ursache.

Patienten/Methoden: Durchgeführt wurde eine prospektive Studie mit 4434 Teilnehmern im Alter zwischen 40 und 59 Jahren in hausärztlicher Behandlung in 24 Städten Englands. Die Patienten hatten bei Aufnahme in die Studie klinisch keine kardiovaskulären Erkrankungen oder einen erkennbaren Typ-2-Diabetes. Die Studie wurde über 20 Jahre durchgeführt.

Ergebnisse: In der Studienzeit von 20 Jahren ereigneten sich 680 kardiovaskuläre Ereignisse. Davon waren 776 akut und 404 verliefen Chronisch. In dieser Zeit traten 256 Manifestationen eines Typ-2-Diabetes auf.

Nach statistischer Berücksichtigung von Alter, Begleiterkrankungen und metabolischen Risikofaktoren wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen der forcierten Vitalkapazität (FVC) und dem forcierten Exspirationsvolumen (FEV1) im Zusammenhang mit dem Typ-2-Diabetes und der koronaren Herzerkrankung überprüft.

Es bestand eine signifikante negative Korrelation zwischen FVC und FEV1, nicht aber in der Relation FEV1 zu FVC in Bezug auf die Häufigkeit des Auftretens eines Typ-2-Diabetes und akuter tödlicher koronarer Ereignisse, nicht aber in der Beziehung zu einer chronischen KHK.

Das relative Risiko für Typ-2-Diabetes betrug 1,59 in der 1. Quartile und stieg auf 1,74 in der 4. Quartile für FVC und FEV1 (p=0,03 bzw. 0,04). Das relative Risiko für fatale koronare Ereignisse betrug 1,48 bzw. 1,81 (p=0,002 bzw. 0,003).

Die Einschränkung der Lungenfunktion korrelierte signifikant invers mit der Höhe der Entzündungsparameter von hcC-reaktivem Protein und mit Interleukin 6. Dies gilt auch für die inverse Beziehung der Parameter der Lungenfunktion FVC und FEV1 mit dem Typ-2-Diabetes und noch ausgeprägt und signifikant für akute fatale Ereignisse der koronaren Herzkrankheit.

Schlussfolgerung: Restriktive, weniger obstruktive, Erkrankungen der Lunge treten signifikant häufiger im Zusammenhang mit der Entstehung des Typ-2-Diabetes und akut fataler koronarer Ereignisse auf. Ein pathophysiologischer Zusammenhang ist neben bekannten metabolischen Risikofaktoren in einem gemeinsamen chronischen inflammatorischen Prozess zu vermuten.

Kommentar: Bei der Annahme eines gemeinsamen ursächlichen Chronisch-inflammatorischen Prozesses, der zunehmend auch von anderen Autoren vermutet wird, wäre zur Sicherung der Hypothese eine konkretere Information über die Zytokine des viszeralen Fettgewebes, insbesondere von TNF-Alpha, von Interleukin10 und von freien Fettsäuren, bei dem prospektiven Aufwand dieser sehr umfangreichen Studie wegweisend gewesen.

Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies

Quelle: Diabetes-Congress-Report 6/2010 

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