02.09.2010 Wenige Pumpenabbrecher bei pädiatrischen Patienten

Abbruch der Insulinpumpentherapie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwach-senen. Eine Multicenter-Studie basierend auf DPV-Daten in Deutschland und Österreich.
Hofer SE, Heidtmann B, Raile K, Fröhlich-Reiterer E, Lilienthal E, Berghaeuser MA, Holl RW for the DPV-Science-Initiative and the German working group for Insulin pump treatment in pediatric patients; Innsbruck, Österreich
Discontinuation of Insulin pump treatment in children, adolescents, and young adults. A multicenter analysis based on the DPV database in Germany and Austria
Pediatric Diabetes 2010; 11: 116-121
Ziel: Die Insulinpumpentherapie ist ein etabliertes Instrument zur Behandlung des Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen. Zahlreiche Studien haben sich auf Parameter wie den HbA1c-Wert, Hypoglykämien und Lebensqualität fokussiert, wohingegen wenige Berichte vorliegen, die sich mit der Unterbrechung der Pumpentherapie beschäftigen. Diese Studie konzentriert sich auf die Häufigkeit eines Abbruchs der Pumpentherapie bei Heranwachsenden und jungen Erwachsenen.
Methode: Die prospektive DPV-Verlaufsdokumentation wurde 1990 eingeführt und ist heute ein weit verbreitetes Dokumentationsinstrument in Deutschland und Österreich. Alle Pumpenträger, die von den beteiligten Einrichtungen seit 1995 dokumentiert wurden, sind in diese Analyse eingeschlossen.
Ergebnisse: Insgesamt konnten 11710 Patienten mit einem Typ-1-Diabetes als Pumpenträger identifiziert werden. In der Summe wechselten 463 Patienten (4%) von der Insulinpumpenbehandlung auf eine Spritzentherapie über.
Unter den Pumpenpatienten, die die Insulinpumpentherapie beendeten, lag die mittlere Dauer für die Pumpentherapie bei 1,7 Jahren (SE±0,06 Jahre). 60,5% dieser Patienten waren weiblich.
Wenn man diese Patienten in verschiedene Altersgruppen aufteilt, lag die Abbruchrate am niedrigsten in der Altersgruppe unter 5 Jahren (0,1%), gefolgt von den Gruppen der 5- bis 10-Jährigen (0,3%) und der 15- bis 20-Jährigen (0,8%). Die Gruppe der 10- bis 15-Jährigen zeigte die höchste Abbruchrate (2%).
Schlussfolgerungen: Die Unterbrechung der Insulinpumpenrate ist insgesamt mit 4% niedrig. Je jünger die Patienten zum Zeitpunkt des Beginns einer Pumpentherapie, desto eher wird die Pumpentherapie fortgeführt. Die höchste Insulinpumpenrate lag bei Heranwachsenden im Alter von 10 bis 15 Jahren. Davon waren Mädchen häufiger betroffen als Knaben (60,5% gegenüber 33,5%).
Kommentar: Eine Abbruchrate von insgesamt 4% unter den Pumpenpatienten ist eine sehr niedrige Rate. Welche Gründe im Einzelnen dazu geführt haben, ist nicht bekannt. Offensichtlich waren es aber nicht schwerwiegende Komplikationen wie gravierende Hypoglykämie oder diabetische Ketoazidose. Diese Probleme waren in der Gruppe der Abbrecher nicht häufiger als in der Gruppe derer, die bei der Pumpentherapie geblieben sind. Offensichtlich sind eher Befindlichkeitsprobleme ausschlaggebend dafür, ob eine Pumpentherapie fortgesetzt wird oder nicht. Auch die Erwartungen an die Pumpentherapie spielen wohl eine Rolle bei dieser Entscheidung. Somit ist diese Studie ein Appell an eine sorgfältige Indikationsstellung und Klärung der Motivationslage vor Beginn einer Pumpentherapie.
Rezensent: Prof. Dr. med. Andreas Neu
Quelle: Diabetes-Congress-Report 4/2010
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