06.02.2012 Welchen Nutzen haben die Leitlinien-Ziele für Hypertoniker?

Mancia G, Schumacher H, Redon J, Verdecchia P, Schmieder R, Jennings G, Yusoff K, Ryden L, Liu GL, Teo K, Sleight P, Yusuf S; Monza, Italien
Blood Pressure Targets Recommended by Guidelines and Incidence of Cardiovascular and Renal Events in the Ongoing Telmisartan Alone and in Combination With Ramipril Global Endpoint Trial (ONTARGET)
Circulation 2011; 124: 1727-1736
Hintergrund: Leitlinien zur Blutdrucktherapie empfehlen eine Blutdruckabsenkung auf Werte unter 140/90mmHg. Für kardiovaskuläre Hochrisikopatienten wird eine Reduktion auf Werte unter 130/80mmHg nahegelegt. Die Autoren untersuchten den kardiovaskulären und renalen Nutzen dieser Blutdruckziele in der Hochrisikogruppe der ONTARGET-Studienpopulation (Ongoing Telmisartan Alone and in Combination With Ramipril Global End Point Trial).
Methoden: Die Patienten wurden in vier Gruppen aufgeteilt, je nach Anteil der Visiten unter der Bluthochdrucktherapie, in denen der Blutdruck auf unter 140/90 oder unter 130/80mmHg vermindert war, bevor ein Ereignis auftrat (unter 25% bis über 75%).
Ergebnisse: Nach Adjustierung für demographische und klinische Variablen zeigte sich, dass ein steigender Anteil an Messungen des Blutdrucks während der Studienteilnahme von unter 140/90 oder unter 130/80mmHg mit einer zunehmenden Verminderung des Schlaganfallrisikos, des Neuauftretens einer Mikro- oder Makroalbuminurie und einer vermehrten Rückkehr zu normaler Albuminausscheidung bei zuvor albuminurischen Patienten assoziiert war.
Für das häufigere Erreichen eines der beiden Zielwerte fand sich kein Effekt für das adjustierte Risiko für Herzinfarkt und das Auftreten einer Herzinsuffizienz. Das adjustierte Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis war vermindert, wenn häufiger Blutdruckwerte von unter 140/90mmHg gemessen wurden – was nicht für Werte unter 130/80mmHg galt. Ähnliche Ergebnisse wurden für das Erreichen der Blutdruckziele in der einem kardiovaskulären Ereignis vorangehenden Visite erhoben.
Schlussfolgerung: Das häufigere Erreichen der in Leitlinien empfohlenen Blutdruckwerte hatte protektive Effekte auf zerebrovaskuläre und renale Endpunkte, es erhöhte aber nicht den Schutz vor kardialen Ereignissen. Insgesamt ergab sich eine günstige Wirkung weniger strenger Blutdruckziele auf den Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen, was für die strengere Blutdruckeinstellung nicht gezeigt werden konnte.
Kommentar: Die statistische Aufarbeitung der ONTARGET-Studienpopulation – zu einem Drittel Patienten mit Diabetes – bestätigt die Ergebnisse der ACCORD-Blutdruckdaten (N Engl J Med 2010; 362: 1575-85) und untermauert die seit vergangenem Jahr revidierten Empfehlungen der Fachgesellschaften.
Rezensent: Dr. med. Florian Thienel
Quelle: Diabetes-Congress-Report 6/2011
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05.04.2012











