06.10.2011 Was macht dick und was hilft beim Abnehmen?

Lebensstilveränderungen und Gewichtszunahme bei Frauen und Männern
Mozaffarian D, Hao T, Rimm EB, Willett WC, Hu FB; Boston, USA
Changes in diet and lifestyle and long-term weight gain in women and men
N Engl J Med. 2011; 364: 2392–404
Hintergrund: Bestimmte diätetische Faktoren oder Lebensstilgewohnheiten könnten den Erfolg des allgemeinen Ratschlags „Weniger essen und mehr bewegen“ zur Verhinderung von Übergewicht beeinflussen.
Methodik: Die prospektive Beobachtung schloss drei separate Kohorten mit insgesamt 12877 US-amerikanischen Frauen und Männern ein, die zu Beobachtungsbeginn keine chronischen Erkrankungen hatten und nicht adipös waren. Die Langzeitbeobachtungen fanden statt von 1986 bis 2006, von 1991 bis 2003 und von 1986 bis 2003.
In 4-Jahresintervallen wurde das Verhältnis von veränderten Lebensstilfaktoren und der Gewichtsentwicklung evaluiert. Die Analyse wurde für Alter, initialen Body-Mass-Index (BMI) pro 4-Jahresintervall adjustiert, zusätzlich wurden alle Lebensstilfaktoren gleichzeitig zur Adjustierung herangezogen. Kohortenspezifische und geschlechtsspezifische Ergebnisse waren ähnlich und wurden gemeinsam unter Anwendung einer inversen, gewichteten Varianzanalyse als Metaanalyse ausgewertet.
Ergebnisse: Innerhalb eines 4-Jahresintervalls nahmen die Teilnehmer im Durchschnitt 3,35 Pfund (lb; 1lb=0,453kg) zu (4,1-12,4).
Die stärkste Assoziation mit der 4-Jahresgewichtsentwicklung zeigte sich mit Kartoffelchips (1,69lb), Kartoffeln (1,28lb), zuckergesüßten Softdrinks (1,00lb), rotem Fleisch (0,95lb), prozessiertem Fleisch (0,93lb) und war invers assoziiert mit Gemüseverzehr (-0,22lb), Vollkornprodukten (-0,37lb), Obst (-0,49lb), Nüssen (-0,57lb) und Joghurt (-0,82lb) (p<0,005 für jeden Vergleich).
Die Veränderung mehrere Nahrungsbestandteile war mit deutlichen Gewichtsveränderungen assoziiert (3,93lb über die Quintilen).
Andere Lebensstilfaktoren waren ebenfalls und unabhängig mit Gewichtsentwicklung assoziiert (p<0,001) und beinhalteten körperliche Aktivität (-1,76lb über die Quintilen), Alkoholgenuss (0,41lb pro Getränk pro Tag), Rauchen (Neu-Entwöhnung 5,17lb, frühere Raucher 0,14lb), Schlaf (mehr Gewichtszunahme bei <6 und >8 Stunden Schlaf), und Fernsehkonsum (0,31lb pro Stunde pro Tag).
Schlussfolgerung: Spezifische Diätkomponenten und Lebensstilfaktoren sind unabhängig mit der Langzeit-Gewichtszunahme assoziiert und verstärken sich gegenseitig. Dies hat wichtige Implikationen für die Strategieentwicklung zur Vermeidung der Adipositas.
Kommentar: Diese Studie wurde bereits öffentlichkeitswirksam in vielen Zeitschriften zitiert, zeigt sie doch sehr deutlich, dass das vermehrte Essen von Kartoffelchips, Kartoffeln, rotem und prozessiertem Fleisch und das Trinken von Softdrinks die Gewichtszunahme begünstigt. Andere Lebensmittel, auch wenn sie kalorienhaltig sind, z.B. Nüsse, sind eher mit einer günstigeren Gewichtsentwicklung assoziiert. Unsere noch gesunden Personen, die in der Sprechstunde nach der optimalen Ernährung fragen, können nun also noch konkreter beraten werden.
Rezensentin: PD Dr. med. Nanette Schloot
Quelle: Diabetes-Congress-Report 4/2011
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