04.05.2011 Typ-2 ohne Insulin: Strukturierte Selbstmessung senkt HbA1c

Strukturierte Blutglukoseselbstmessung reduziert das HbA1c schlecht kontrollierter Patienten mit Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie signifikant
Polonsky WH, Fisher L, Schikman CH, Hinnen DA, Parkin CG, Jelsovsky, Petersen B, Schweitzer M, Wagner RS; San Diego, USA
Structured self-monitoring of blood glucose significantly reduces A1C levels in poorly controlled, noninsulin-treated type 2 Diabetes: results from the Structured Testing Program study
Diabetes Care 2011; 34: 262-267
Einführung: In der Studie untersucht wurde die Effektivität strukturierter Blutglukosemessungen in einer Gruppe von Patienten mit Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie und mit unzureichender Stoffwechselkontrolle.
Methodik: An dieser zwölfmonatigen prospektiven, clusterrandomisierten Multicenterstudie beteiligten sich 483 Patienten mit Typ-2-Diabetes aus 34 Hausarztpraxen in den USA. Das HbA1c der Patienten lag jeweils über 7,5%. Die Patienten waren zuvor noch nicht mit Insulin behandelt worden.
Die Praxen waren zufällig entweder einer aktiven Kontrollgruppe (AC) mit erweiterter üblicher Betreuung oder einer Gruppe mit strukturiertem Testen (ST) mit erweiterter üblicher Betreuung und zumindest einer vierteljährlichen strukturierten Blutglukoseselbstmessung (SMBG) zugewiesen worden.
Die Patienten und Ärzte der ST-Gruppe hatten dabei ein Training dazu erhalten, wie die Daten eines Siebenpunkte-Glukoseprofils an jeweils drei aufeinander folgenden Tagen in einem Protokollbogen dargestellt und interpretiert werden können. Als primärer Endpunkt wurde das HbA1c nach zwölf Monaten bestimmt.
Ergebnisse: Die Daten nach zwölf Monaten zeigten in der „Intention-to-treat“-Analyse (AC, n=227; ST, n=256) eine signifikant größere Reduktion des mittleren HbA1c in der ST-Gruppe im Vergleich zur AC-Gruppe: -1,2%-Punkte (0,09) vs. -0,9%-Punkte (0,10); Unterschied = -0,3%-Punkte; p=0,04.
Bei der protokollbezogenen Analyse (AC, n=161; ST, n=130) ergaben sich in der ST-Gruppe größere mittlere Absenkungen des HbA1c als in der AC-Gruppe: -1,3%-Punkte (0,11) vs. -0,8%-Punkte (0,11); Unterschied = -0,5%-Punkte; p<0,003.
Signifikant mehr Patienten der ST-Gruppe als der AC-Gruppe wurde bei der ersten Vorstellung in der Praxis nach einem Monat eine Anpassung der Therapie empfohlen. Dies war unabhängig vom initialen HbA1c-Wert: 179 (75,5%) vs. 61 (28,0%); p<0,0001. Patienten beider Studienarme berichteten gleichzeitig über ein signifikant verbessertes allgemeines Wohlbefinden (p<0,0001).
Schlussfolgerung: Die angemessene Nutzung einer strukturierten Blutglukoseselbstmessung verbessert die Stoffwechseleinstellung signifikant und fördert zeitnahe und intensivere Anpassungen der Therapieschemata bei nicht mit Insulin behandelten Patienten mit Typ-2-Diabetes, ohne damit deren Wohlbefinden zu beeinträchtigen.
Kommentar: Die aktive Beteiligung der Patienten an ihrer Therapie kann nur durch Kenntnisse über das konkrete Stoffwechselgeschehen und Erfolgserlebnisse bei eigenen Bemühungen gefördert werden. Diese Grundvoraussetzungen des „Empowerments“ sind seit mehreren Dekaden bekannt. Das strukturierte Messkonzept unterstützt Patienten und Ärzte darin, die komplexe Stoffwechselsituation mit relativ geringem Aufwand erfolgreich zu beeinflussen. Dieses Instrument sollte insbesondere den Patienten in der Frühphase des Typ-2-Diabetes zur Verfügung stehen.
Rezensent: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Quelle: Diabetes-Congress-Report 2/2011
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