30.12.2011 Typ-1-Diabetes: Hohes HbA1c und Schäden am Herzen

Turkbey EB, Backlund J-Y, Genutz S, Jain A, Miao C, Cleary PA, Lachin JM, Nathan DM, van der Geest RJ, Soliman EZ, Liu CY, Lima JAC, Bluemke DA, DCCT-Resarch Group; Bethesda, USA
Myocardial Structure, Function, and Scar in Patients With Type 1 Diabetes mellitus
Circulation 2011; 124: 1737-1746
Hintergrund: Zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren und Struktur, Funktion sowie Narben des Myokards gab es bei Patienten mit Typ-1-Diabetes in der DCCT/EDIC-Studie eine Beziehung (Diabetes Control and Complications Trial/Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications).
Methoden: Bei 1017 Patienten mit Typ-1-Diabetes wurden Kardio-MRT-Untersuchungen durchgeführt. Bei 741 Patienten wurde Gadolinium eingesetzt. Das mittlere Alter betrug 49 Jahre, 52% waren Männer und die mittlere Erkrankungsdauer betrug 28? Jahre. Die Assoziation kardiovaskulärer Risikofaktoren mit den Parametern des Kardio-MRT wurde statistisch mit linearen und logistischen Regressionsmodellen untersucht.
Ergebnisse: Die Anamnese einer Makroalbuminurie war positiv mit der Masse des linken Ventrikels korreliert, was zu einem signifikanten höheren Verhältnis von LV-Masse zu enddiastolischem Volumen (um 8% erhöht) führte. Der mittlere HbA1c-Wert über die vorangehenden 22 Jahre zeigte eine inverse Korrelation mit dem enddiastolischen Volumen (-3,0ml pro 1% mittlerer HbA1c) sowie dem Schlagvolumen (-2,3ml pro 1% HbA1c).
Der HbA1c-Wert war dagegen positiv korreliert mit dem Verhältnis von erhöhter LV-Masse zu enddiastolischem Volumen (0,02g/ml pro 1% HbA1c). Die Prävalenz einer myokardialen Narbe betrug 4,3% im Kardio-MRT und 1,4% nach klinischer Adjustierung bezüglich Herzinfarkten.
Sowohl mittlerer HbA1c-Wert (Odds Ratio 1,5; 95% Konfidenzintervall: 1,0-2,2 pro 1% HbA1c) als auch Makroalbuminurie (Odds Ratio 3,5; 95% Konfidenzintervall: 1,2-9,9) waren signifikant mit myokardialen Narben und traditionellen kardiovaskulären Risikofaktoren assoziiert.
Schlussfolgerungen: Zusätzlich zu traditionellen kardiovaskulären Risikofaktoren waren erhöhte mittlere HbA1c-Werte und eine Makroalbuminurie signifikant mit Veränderungen der linksventrikulären Struktur und Funktion assoziiert. Das Auftreten myokardialer Narben betrug 4,3% in dieser Subpopulation der DCCT/EDIC-Studie mit relativ gut erhaltener renaler Funktion.
Kommentar: In der DCCT/EDIC-Studie wurde in der Gruppe konventionell behandelter Patienten – die dadurch höhere HbA1c-Werte hatten – eine höhere kardiovaskuläre Ereignisrate beobachtet. In dieser Publikation waren die höheren HbA1c-Werte offensichtlich mit morphologischen und funktionellen Veränderungen korreliert. Unklar bleibt in der Publikation allerdings, nach welchen Kriterien die Selektion der Patienten für ein Kardio-MRT erfolgte und wie sich die ICT- und CT-behandelten Patienten verteilten. Auch sind andere Einflussfaktoren wie arterieller Hypertonus oder klinisch bzw. angiographisch nachgewiesene KHK, die Einfluss auf die im Kardio-MRT gemessenen Parameter haben, nicht differenziert worden. Die Studie regt aber dazu an, auch bei Typ-1-Diabetikern über die Aspekte KHK und diabetische Kardiomyopathie und ihre Beziehung zu Therapiezielen nachzudenken.
Rezensent: Dr. med. Florian Thienel
Quelle: Diabetes-Congress-Report 6/2011
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