28.03.2011 Säuglings-Nahrung und Betazell-Autoimmunität

Diätetische Intervention im Säuglingsalter und spätere Zeichen einer Betazell-Auto-immunität
Knip M, Virtanen SM, Seppä K, Ilonen J, Savilahti E, Vaarala O, Reunanen A, Teramo K, Hämäläinen AM, Paronen J, Dosch HM, Hakulinen T, Akerblom HK; Finnish TRIGR Study Group; Helsinki, Finnland
Dietary intervention in infancy and later signs of beta-cell autoimmunity.
N Engl J Med. 2010; 363: 1900-8
Hintergrund: Die frühe Exposition mit komplexen diätetischen Proteinen könnte das Risiko für eine Betazell-Autoimmunität und Typ-1-Diabetes bei Kindern mit erhöhtem genetischen Risiko erhöhen.
Die Autoren testeten die Hypothese, dass die Nahrungsergänzung mit einer hydrolysierten Säuglingsmilch bei gestillten Kindern die kumulative Inzidenz von mit Typ-1-Diabetes assoziierten Autoantikörpern reduziert.
Methodik: 230 Säuglinge mit HLA-Risikogen für Typ-1-Diabetes und mindestens einem Verwandten ersten Grades mit Typ-1-Diabetes wurden in die doppeltblinde, randomisierte Studie eingeschlossen.
Sie erhielten, wann immer das Stillen in den ersten sechs bis acht Lebensmonaten nicht mehr ausreichte, entweder zusätzlich eine Casein-haltige hydrolysierte Säuglingsmilchersatznahrung (Verum) oder eine konventionelle, Kuhmilch-basierte Säuglingsmilchersatznahrung (Plazebo).
Untersucht wurden Autoantikörper gegen Insulin, Glutamatdecarboxylase (GAD), Insulinoma-assoziiertes-2 Antigen (IA-2) und Zinktransporter 8 mittels Radioimmunoassay. Inselzellantikörper (ICA) wurden mittels Immunfluoreszenz bestimmt. Die mediane Beobachtungszeit betrug zehn Jahre (Mittelwert 7,5 Jahre). Bis zum zehnten Lebensjahr wurden die Kinder zusätzlich auf die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes hin überwacht.
Ergebnisse: Die nicht-adjustierte Hazard Ratio (HR) für die Positivität eines oder mehrerer Autoantikörper in der Casein-Hydrolysatgruppe betrug 0,54 (95% Konfidenzintervall (KI) 0,29-0,95). Die auf die Dauer der Formulagabe adjustierte HR (Hazard Ratio) betrug 0,51 (95% KI 0,28-0,91).
Die unadjustierte HR für zwei oder mehrere positive Autoantikörper betrug 0,52 (95% KI 0,19-1,07). Die Rate an unerwarteten Ereignissen war in beiden Gruppen ähnlich.
Schlussfolgerung: Die diätetische Intervention im Säuglingsalter scheint einen lange andauernden Effekt in Bezug auf Marker für Betazell-Autoimmunität zu haben - Marker, die einen autoimmunen Prozess widerspiegeln, der zur Entwicklung des Typ-1-Diabetes führt.
Kommentar: Frühkindliche Diät könnte ein Auslöser für die Entwicklung von Autoimmunität gegen die insulinproduzierenden Betazellen sein. Als zuverlässige Marker für ein erhöhtes Diabetesrisiko werden Autoantikörper gegen GAD, Insulin, IA2 und Zinktransporter angesehen. In der Studie mit genetisch prädisponierten Säuglingen wurden die Mütter dazu angehalten, ihr Kind zu stillen. Nach dem Abstillen wurden die Kinder dann über zwei Monate entweder mit einer konventionellen Kuhmilch-basierten Säuglingsnahrung oder einer hypoallergenen Säuglingsnahrung gefüttert, in der die Proteine hydrolysiert wurden, um sie als mögliche Trigger für eine Autoimmunität auszuschließen. Diese interessante Arbeit zeigt nun, dass durch diese einfach durchführbare Intervention im frühen Lebensalter von Säuglingen das Auftreten von mit Typ-1-Diabetes assoziierten Autoantikörpern halbiert werden kann. Allerdings wurde die Diabetesdiagnose selbst bis zum Alter von zehn Jahren bei neun Kindern (8%) in der Kontrollgruppe gegenüber sieben Kindern (6%) nach einer hypoallergenen Säuglingsernährung gestellt, so dass hier, unerwartet, keine Unterschiede bestehen. Abzuwarten bleibt, was die Endergebnisse der Studie zeigen, wenn 2160 Kinder in die TRIGR -Studie eingeschlossen sind und diese alle bis zum zehnten Lebensjahr beobachtet wurden. Diese Ergebnisse werden nicht vor Februar 2017 erwartet.
Rezensent: PD Dr. med. Nanette Schloot
Quelle: Diabetes-Congress-Report 1/2011
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