13.01.2012 Rückgang der schweren Retinopathie bei Typ-1-Diabetes

In einer Studie wurde eine Abnahme der kumulativen Häufigkeit fortgeschrittener Retinopathien bei Typ-1-Diabetes beobachtet.

Kytö Y, Harjutsalo V, Forsblom C, Hietala K, Summanen P, Groop P-H, FinnDianeStudy; Helsinki, Finnland

Decline in the Cumulative Incidence of Severe Diabetic Retinopathy in Patients With Type 1 Diabetes

Diabetes Care 2011; 34: 2005-2007

Einleitung/Fragestellung: Festgestellt werden sollte, ob sich die kumulative Inzidenz schwerer diabetischen Retinopathie bei Typ-1-Diabetikern verändert hat.

Patienten/Methoden: Die Untersuchungen wurden bei 3781 Typ-1-Diabetikern durchgeführt, deren Erkrankung zwischen 1939 und 2005 diagnostiziert worden war. Das mediane Alter bei Erkrankungsbeginn war 13 Jahre (Interquatilsabstand 9 bis 21 Jahre). Die Erkrankungsdauer des Diabetes betrug median 19 Jahre (Interquartilsabstand 13 bis 27 Jahre).

Das Ausmaß der diabetischen Retinopathie wurde anhand der Zahl durchgeführter Laser-Behandlungen bestimmt. Die Patienten wurden nach dem Jahr der Diagnose in unterschiedliche Kohorten eingeteilt (vor 1975, 1975 bis 1979, 1980 bis 1984 und nach 1985).

Ergebnisse: Die kumulative Inzidenz schwerer diabetischer Retinopathien bei Typ-1-Diabetikern hat im Laufe der Jahre abgenommen (p=0,0001). Nach 20 Jahren Diabetesdauer betrug die kumulative Inzidenz 23% (95% Konfidenzintervall [KI] 21-25) und 33% (30-35) in den frühen Kohorten, 18% (15-21) in der nächsten Kohorte und 6% (4-9) in der jüngsten Kohorte (nach 1985).

Nach 30 Jahren Diabetesdauer war die kumulative Inzidenz in den frühen Kohorten 52 und 48%, während es nach 40 Jahren in der frühesten Kohorte (vor 1975) 62% waren.

Schlussfolgerung: Die kumulative Häufigkeit der fortgeschrittenen diabetischen Retinopathie hat bei Typ-1-Diabetikern in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen


Kommentar: Die Verringerung der kumulativen Inzidenz der fortgeschrittenen diabetischen Retinopathie über einen so langen Zeitraum seit 1939 ist zwar statistisch erfreulich, sagt uns aber klinisch heute wenig. Die Diabeteshäufigkeit und das Alter der Patienten haben sich zwischenzeitlich erheblich verändert. Die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten haben sich gerade in den letzten Jahren wesentlich verbessert. Die Gesundheitsfürsorge mit Diabetespass und vorgeschriebenen Kontrollen sind intensiver geworden. Unter diesen Bedingungen wären bessere Ergebnisse zu erwarten gewesen und sind es auch heute im Jahr 2011. Trotzdem ist dringend eine bessere Kooperation zwischen Ophthalmologen und Diabetologen zu fordern! Dies bezieht sich insbesondere auf die Übermittlung und gegenseitige Bewertung der Befunde – eine Zusammenarbeit, die zumeist nicht besteht. Durch den Ophthalmologen sind die Augenveränderungen zumeist frühzeitig sichtbar. Diese Chance sollte viel besser genutzt werden, um die weitere Prognose und Therapie des Diabetes und insbesondere der anderen sekundären Gefäßkomplikationen zu verbessern. Verpflichtungen beider Fachgesellschaften und wirtschaftliche Zwänge der Krankenkassen sollten die Kooperation der Disziplinen zum nachweislichen Nutzen der Patienten weiter optimieren.

Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies

Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 6/2011

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