28.04.2011 Risiko-Scores unterschätzen Thromboembolie-Gefahr

In einer Kohortenstudie unterschätzten zwei Risiko-Scores für Schlaganfall und Thromboembolien die Gefahr von Ereignissen.

Validierung von Risiko-Stratifizierungs-Schemata zur Vorhersage von Schlag­anfällen und Thromboembolien bei Patienten mit Vorhofflimmern: eine landesweite ­Kohortenstudie

Olesen JB, Lip GYH, Hansen ML, Hansen PR, Schurmann Tolstrup J, Lindhardsen J, Selmer C, Ahlehoff O, Schjerning A-M; Gentofte, Dänemark

Validation of risk stratification schemes for predicting stroke and thromboembolism in patients with atrial fibrillation: nationwide cohort study

BMJ 2011; 342:d124


Fragestellung: Es sollten die individuellen Risikofaktoren evaluiert werden, die die Komponenten des CHADS2-Scores (Congestive heart failure, Hypertonie, Alter mindestens 75 Jahre, Diabetes, früherer Schlaganfall) und des CHA2DS2-VASc-Scores (CHA2DS2-Vascular disease, Alter 65 bis 74 Jahre, Geschlechts-Kategorie) bilden. Berechnet wurde die Leistungsfähigkeit dieser Schemata, Thromboembolien vorauszusagen.

Studiendesign: Registerbasierende Kohortenstudie.

Studienort: Landesweite Daten über Patienten, die wegen Vorhofflimmern stationär aufgenommen wurden.

Teilnehmer: Alle Patienten mit Vorhofflimmern in Dänemark, die nicht mit Vitamin-K-Antagonisten behandelt wurden, im Zeitraum 1997 bis 2006.

Hauptzielparameter: Schlaganfall und Thromboembolien.

Ergebnisse: Von den 121.280 Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern erfüllten 73.538 (60,6%) die Einschlusskriterien der Studie. Bei Patienten mit einem niedrigen Risiko (Score=0) betrug die Rate an Thromboembolien bei Einsatz von CHADS2 pro 100 Personenjahre 1,67 (95% Konfidenzintervall 1,47-1,89) und 0,78 (0,58-1,04) bei Einsatz von CHA2DS2-VASc nach einem Jahr Beobachtung.

Bei Patienten mit einem mittleren Risiko (Score=1) war diese Rate 4,75 (4,45-5,07) bei Einsatz von CHADS2 und 2,01 (1,70-2,36) mit CHA2DS2-VASc. Die Rate an Thromboembolien war abhängig von den individuellen Risikofaktoren, d.h. den Komponenten der Scores.

Beide Schemata unterschätzten das Risiko, das mit früheren thromboembolischen Ereignissen assoziiert waren. Wenn Patienten in niedrige, mittlere und hohe Risikogruppen kategorisiert wurden, ergaben die statistischen Berechnungen (C statistics) nach zehnjähriger Beobachtung einen Wert von 0,812 (0,796-0,827) mit CHADS2 und 0,888 (0,875-0,900) mit CHA2DS2-VASc.

Schlussfolgerung: Das Risiko, assoziiert mit einem spezifischen Risiko-Stratifizierungs-Score, hängt von den Komponenten des Scores ab. CHA2DS2-VASc war in der Prädiktion von Patienten mit hohem Risiko besser als CHADS2. Patienten mit einem niedrigen CHA2DS2-VASc-Risikoscore hatten tatsächlich ein sehr niedriges Risiko für Thromboembolien.

Kommentar: Diese Risikoscores für Schlaganfall und Thromboembolien haben in der praktischen Medizin eine nicht unerhebliche Bedeutung. Interessant ist, dass in allen Scores der Diabetes mellitus eine wichtige Komponente darstellt.

Rezensent: Prof. Dr. med. Hans Uwe Janka

Quelle: Diabetes-Congress-Report 2/2011

 

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