18.04.2011 Reicht das HbA1c zur Diagnosestellung aus?

60 Prozent der in der finnischen Diabetes-Präventionsstudie diagnostizierten Typ-2-Diabetiker wären bei alleiniger Verwendung des HbA1c-Wertes nicht entdeckt worden, ergibt eine Analyse.

HbA1c zur Diagnose und Vorhersage eines Typ-2-Diabetes bei gestörter Glukosetoleranz: die finnische Diabetes- Präventionsstudie

P. Pajunen P, M. Peltonen M, J. G. Eriksson JG, P. Ilanne-Parikka P, S. Aunola S, S. Keinänen-Kiukaanniemi S, M. Uusitupa M, J. Tuomilehto J, Lindström J, für die Finnische Diabetes Präventions Studie (DPS); Helsinki, Finnland

HbA1c in diagnosing and predicting type 2 Diabetes in impaired glucose tolerance: the Finnish Diabetes Prevention Study

Diabet Med 2011; 28: 36-42


Fragestellung: Es wurden die Daten der prospektiven finnischen Diabetes-Präventionsstudie mit einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von vier Jahren analysiert, um das neue HbA1c-basierte Kriterium und den oralen Glukosetoleranztest zur Diagnose eines Typ-2-Diabetes bei Hochrisikopatienten zu vergleichen.

Methodik: In der Diabetes-Präventionsstudie wurden 172 Männer und 350 Frauen mit basalem Übergewicht und gestörter Glukosetoleranz zu einer Lebensstilintervention oder einer Kontrollgruppe randomisiert. Orale Glukosetoleranztests und HbA1c-Messungen wurden jährlich, bis zur Diagnose eines Diabetes nach WHO-1985-Kriterien, durchgeführt.

Ergebnisse: Die Sensitivität eines HbA1c über 6,5% (>48mmol/mol) als Diagnosekriterium für Typ-2-Diabetes lag bei 35% (95% Konfidenzintervall [CI] 24%, 47%) bei Frauen und 47% (95% CI 31%, 64%) bei Männern, verglichen mit einer auf zwei konsekutiv durchgeführten oralen Glukosetoleranztests basierenden Diagnose.

Die korrespondierenden Sensitivitäten für einen HbA1c über 6% (>42mmol/mol) lagen bei 67% (95% CI 55%, 77%) und 68% (95% CI 51%, 82%). Die Teilnehmer mit HbA1c über 6,5% (>48mmol/mol) und Diabetes basierend auf den oralen Glukosetoleranztests waren adipöser und hatten höhere Nüchternglukose und Zweistunden-Glukosekonzentrationen als jene mit Diabetes nach Glukosetoleranztest, aber einem HbA1c unter 6,5% (>48mmol/mol).

Es gab keine Unterschiede im prädiktiven Abschneiden von basaler Nüchternglukose, oralem Glukosetoleranztest und HbA1c.

Schlussfolgerung: Von den während der Beobachtungsperiode in der finnischen Diabetes-Präventionsstudie mittels zwei oralen Glukosetoleranztests diagnostizierten Personen mit Diabetes wären 60% undiagnostiziert geblieben, wenn ein HbA1c-Wertes über 6,5% (>48mmol/mol) als Diagnosekriterium verwendet worden wäre.

Kommentar: Eine Stärke dieser Studie war die Verwendung von zwei aufeinander folgenden oralen Glukosetoleranztests als Referenztest für die Klassifikation eines Diabetes. Die Studie zeigt, dass 60% der hier untersuchten Hochrisikopatienten bei alleiniger Verwendung des HbA1c-Wertes nicht korrekt mit der Diagnose eines Typ-2-Diabetes erfasst worden wären.

Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies

Quelle: Diabetes-Congress-Report 2/2011

 

 

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