23.04.2011 Psychosoziale Faktoren und diabetische Fußulzera

Patienten mit diabetischen Fußulzera tendierten in einer Untersuchung zu niedrigerem gesundheitsbewussten Verhalten – vor allem war ihre lebenslange Alkoholaufnahme höher.

Alkoholaufnahme und andere psychosoziale Bedingungen als wichtige Faktoren bei der Entwicklung diabetischer Fußulzera

Altenburg N, Joraschky P, Barthel A, Bittner A, Pöhlmann K, Rietzsch H, Fischer S, Mennicken G, Koehler C, Bornstein SR; Dresden, Deutschland.

Alcohol consumption and other psycho-social conditions as important factors in the development of diabetic foot ulcers

Diabet Med 2011; 28: 168-174


Fragestellung: Ziel war die Charakterisierung der Assoziation von bio-psycho-sozialen Faktoren – v.a. von mentalen Erkrankungen und Selbstverletzungen – mit der Entwicklung von diabetischen Fußulzera.

Methodik: Zwei Gruppen von Patienten mit Diabetes mit oder ohne Fußulzera (n=47 in jeder Gruppe) mit ähnlicher Geschlechtsverteilung, Alter und Diabetesdauer wurden mittels des „Composite International Diagnostic Interview“ auf vorhandene mentale Erkrankungen untersucht. Selbstverletzendes Verhalten, Lebensqualität, depressive Symptome und Selbst-Mitgefühl wurden unter Verwendung verschiedener Standard-Fragebögen gewertet.

Ergebnisse: Patienten aus der Ulkusgruppe hatten ihren Arzt und/oder Psychotherapeuten in den letzten zwölf Monaten weniger häufig aufgesucht im Vergleich zu Patienten in der Kontrollgruppe (0 vs. 13%, p=0,026).

Die Patienten in der Ulkusgruppe hatten eine höhere Alkoholaufnahme (43 vs. 19%, p=0,025), niedrigere Bildungsstufen (8 vs. 10 Jahre, p=0,014) und niedrigeres Einkommen (1.190 vs. 1.525€/Monat, p=0,039). Sie wurden außerdem weniger häufig mit einer Angststörung diagnostiziert (11 vs. 32%, p=0,022). Es wurden keine Unterschiede im HbA1c, Body-Mass-Index, Rauchen oder direkten selbstverletzenden Verhalten gefunden.

Schlussfolgerung: Patienten mit Fußulzera tendierten zu niedrigerem gesundheitsbewussten Verhalten, v.a. höherer lebenslanger Alkoholaufnahme, niedrigerer Inanspruchnahme von medizinischen Angeboten und geringer ausgeprägter allgemeiner Ängstlichkeit.

Medizinisches Personal sollte mit diesen Verhaltensweisen vertraut sein, da eine frühe Erkennung von Patienten mit Diabetes und psychosozialen Risiken zu psychologischer Intervention als effektiver präventiver Strategie zur Vermeidung der Entwicklung von Fußulzera führen könnte.

Kommentar: Eine mögliche Erklärung des verstärkten Auftretens von Fußulzera bei Personen mit höherer Alkoholaufnahme ist wahrscheinlich multifaktoriell, mit einer möglichen Verstärkung einer bestehenden Neuropathie als einem der in Betracht kommenden Faktoren.

Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies

Quelle: Diabetes-Congress-Report 2/2011

 

 

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