19.08.2010 Nateglinide: Blutzuckersenkung ja, Risikosenkung nein?

Zwar sank unter dem kurzwirksamen Insulin-Sekretagogum Nateglinide vor allem der postprandiale Blutzucker. Aber ein kardiovaskulärer Vorteil ergab sich nicht, so eine 5-Jahres-Studie.

Einfluss von Nateglinide auf die Diabetesinzidenz und das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse

NAVIGATOR-Studiengruppe

Effect of nateglinide on the incidence of Diabetes and cardiovascular events

N Engl J Med 2010; 362: 1463-1476


Hintergrund: Es war bisher ungewiss, ob kurzwirkende Insulinsekretagoga fähig sind, das Diabetesrisiko oder kardiovaskuläre Ereignisse bei Patienten mit gestörter Glukosebelastung (IGT) zu verhindern.

Methodik: Bei dieser doppelblinden, randomisierten klinischen Studie mit einem 2x2 faktoriellen Design wurden 9306 Patienten mit IGT, bekannter kardiovaskulärer Erkrankung oder vorhandenen kardiovaskulären Risikofaktoren eingeteilt in einen Behandlungsarm mit bis zu dreimal 60mg täglich Nateglinide oder Placebo (und Valsartan oder Placebo). Diese Therapie wurde zusätzlich zur Lebensstilmodifikation durchgeführt. Die Patienten wurden im Mittel 5,0 Jahre auf Diabetesentwicklung und 6,4 Jahre auf Vitalstatus untersucht.

Untersucht wurde der Zusammenhang von Valsartan und drei primären Endpunkten: 1) Diabetesentwicklung, 2) die Kombination aus Tod durch kardiovaskuläres Ereignis, nicht-tödlichen Myokardinfarkt oder Hospitalisation wegen instabiler Angina und 3) die Ereignisse wie unter 2) unter Ausschluss von instabiler Angina und Revaskularisation.

Ergebnisse: Nach Adjustierung für multiples Testen zeigte der Nateglinide-Arm im Vergleich zu Placebo keine signifikant reduzierte Diabetesentwicklung (36?% und 34%, Hazard Ratio 1,07; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,00–1,15; p=0,05), keine Unterschiede im Kernendpunkt des kardiovaskulären Endpunktes (7,9% und 8,3%; HR 0,94, 95% KI 0,82–1,09; p=0,43) oder im erweiterten kardiovaskulären Endpunkt (14,2% und 15,2%; HR 0,93, 95% CI 0,83–1,03; p=0,6). Nateglinide erhöhte allerdings das Risiko von Hypoglykämien.

Schlussfolgerung: Die Einnahme von Nateglinide kombiniert mit Lebensstilmodifikation über fünf Jahre führt bei Patienten mit IGT und kardiovaskulärer Erkrankung oder kardiovaskulärem Risiko zu keiner Reduktion der Diabetesinzidenz oder weniger kardiovaskulären Ereignissen.

Kommentar: Nateglinide senkt als kurzwirksames Insulin-Sekretagogum vor allem die postprandialen Blutzuckerwerte, die mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht werden. Umso überraschender ist also, dass ein Vorteil durch die Therapie nicht in der verminderten kardiovaskulären Ereignisrate zu finden war. Möglicherweise hat die therapiebegleitende Lebensstilmodifikation im Verum- und Placebo-Arm als effektiver Einflussfaktor den vermutlich milden Effekt von Nateglinide dominiert, dies kann allerdings letztlich hier nicht geprüft werden. Auch die Diabetesentwicklung unter Nateglinide-Therapie wurde im Vergleich zu Placebo nicht aufgehalten.

Rezensent: PD Dr. med. Nanette Schloot

Quelle: Diabetes-Congress-Report 3/2010

 

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