06.01.2012 MODY oder Typ-1? Inselantikörper vor teurer Molekulardiagnostik

McDonald TJ, Colclough K, Brown R, Shields B, Shepherd M, Bingley P, Williams A, Hattersley AT, Ellard S; Bristol, England
Islet Autoantibodies can discriminate maturity-onset Diabetes of the young (MODY) from Type 1 Diabetes
Diabet Med 2011; 28: 1028-1033
Fragestellung: Maturity onset Diabetes of the young (MODY) ist eine monogene Form eines vererblichen Diabetes, der sich bei jungen Personen manifestiert. Die Erkrankung ist selten (etwa 1% der Diabetesformen) und kann potenziell falsch als Typ-1-Diabetes diagnostiziert werden, was eine unangemessene Behandlung mit Insulin zur Folge haben kann.
Bei Patienten mit Typ-1-Diabetes sind in der Regel Inselzell-Autoantikörpern vorhanden, einschließlich von Glutamat Decarboxylase (GAD) und Inselzell Antigen-2 (IA-2) Antikörper. Die Prävalenz von Inselzellantikörpern bei Patienten mit MODY ist unbekannt und könnte für eine Unterscheidung dieser Diabetesform und Typ-1-Diabetes dienen. Ziel der Studie war die Bestimmung der Prävalenz von GAD und IA-2 Antikörpern bei Patienten mit MODY oder Typ-1-Diabetes.
Methodik: Plasma GAD und IA-2 Antikörper wurden bei 508 Patienten mit den häufigsten MODY Formen (GCK: n=227; HNF1A: n=229; HNF4A: n=52) und bei 98 Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes (Diagnose unter sechs Monate) gemessen. Autoantikörperwerte über oder in der 99. Perzentile bei 500 erwachsenen Kontrollpersonen wurden als positiv gewertet.
Ergebnisse: GAD und/oder IA-2 Antikörper waren bei 80/98 (82%) Patienten mit Typ-1-Diabetes und 5/508 (<1%) Patienten mit MODY vorhanden. In der Kohorte der Patienten mit Typ-1-Diabetes wurden sowohl GAD als auch IA-2 Antikörper bei 37,8% der Patienten gefunden; ausschließlich GAD bei 24,5% und ausschließlich IA-2 bei 19,4% der Patienten. Alle fünf Patienten mit MODY mit detektierbaren Antikörpern hatten GAD Antikörper und keiner war positiv für IA-2 Antikörper.
Schlussfolgerung: Die Prävalenz von GAD und IA-2 Autoantikörpern bei MODY war ähnlich wie bei Kontrollpersonen (<1%). Die Detektion von Inselzell- und besonders von IA-2 Autoantikörpern machte eine Diagnose eines MODY sehr unwahrscheinlich. Daher sollten genetische Untersuchungen durchgeführt werden, falls klinische Charakteristika stark auf diese Form des Diabetes hinweisen.
Die Ergebnisse sprechen für eine Routine-Untersuchung auf Autoantikörper vor kostenintensiveren molekulargenetischen Tests.
Kommentar: Die sehr niedrige Prävalenz von Inselzellautoantikörpern bei Patienten mit MODY spricht für die routinemäßige Bestimmung der Autoantikörper vor einer genetischen Testung auf MODY. So könnten potenziell eine relevante Zahl kostenintensiver molekulargenetischer Untersuchungen eingespart werden.
Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert
Quelle: Diabetes-Congress-Report 6/2011
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