19.05.2011 Mehr Blutzuckerkontrollen, bessere Stoffwechselkontrolle

Die Frequenz der Blutzuckerselbstkontrolle ist bei Typ-1-Diabetikern mit einer besseren Stoffwechselkontrolle assoziiert. Doch ab der sechsten Messung pro Tag ist kein Gewinn mehr zu erwarten…

Die Häufigkeit der Blutzuckermessungen korreliert bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes mit dem HbA1c-Wert und akuten Komplikationen

Ziegler R, Heidtmann B, Hilgard D, Hofer S, Rosenbauer J, Holl R, Münster

Frequency of SMBG correlates with HbA1c and acute complications in children and adolescents with type 1 Diabetes

Pediatric Diabetes 2011: 12: 11-17


Ziel: Ziel dieser Studie war es, die Häufigkeit von Blutzuckerselbstkontrollen in Relation zur Stoffwechselqualität anhand des HbA1c-Wertes zu untersuchen.

Außerdem sollten der Einfluss auf die Hypoglykämiefrequenz und die Häufigkeit ketoazidotischer Entgleisungen untersucht werden, um zu analysieren, welche Beziehung zwischen der Blutzuckermessfrequenz und diesen Ergebnisvariablen in Abhängigkeit vom Alter der Patienten und dem Behandlungsregime besteht.

Methode: Es wurden Daten der DPV-Wiss-Datenbank von 26.723 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 18 Jahren mit Typ-1-Diabetes aus den Jahren 1995 bis 2006 untersucht. Einflussvariablen waren Geschlecht, Alter zum Zeitpunkt der Vorstellung, Diabetesdauer, Therapieregime, Insulindosierung, Body-Mass-Index SDS, HbA1c-Wert, Anzahl der Hypoglykämien und ketoazidotische Entgleisungen.

Ergebnisse: In der jüngsten Altersgruppe, d.h. bei Kindern unter sechs Jahren, war die Frequenz der Blutzuckerselbstkontrolle am höchsten im Vergleich zu Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren oder Kindern über zwölf Jahren: 6,0/d vs. 5,3/d vs. 4,4/d (p<0,001).

Die Häufigkeit der Blutzuckerselbstkontrolle war unterschiedlich in den verschiedenen Behandlungsgruppen (p<0,001). In der Gruppe der pumpenbehandelten Patienten war die Blutzuckermessfrequenz beträchtlich höher, nämlich 5,3/d gegenüber 4,7 Messungen/d bei einer intensivierten konventionellen Therapie gegenüber 4,6/d bei einer konventionellen Therapie.

Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, Diabetesdauer, Behandlungsjahr, Insulinregime, Insulindosierung, BMI-SDS und Zentrumsunterschieden zeigte sich, dass die Frequenz der Blutzuckerselbstkontrolle signifikant mit einer besseren Stoffwechselkontrolle assoziiert war. Eine zusätzliche Blutzuckermessung pro Tag resultierte in einer HbA1c-Absenkung um 0,20%-Punkte (p<0,001). Allerdings konnte eine Steigerung der Blutzuckermessfrequenz über 5/d keine zusätzliche Verbesserung der metabolischen Kontrolle herbeiführen.

Schlussfolgerungen: Eine höhere Blutzuckermessfrequenz ist mit einer besseren Stoffwechseleinstellung assoziiert. Lediglich bei Heranwachsenden im Alter von über zwölf Jahren zeigte sich eine wesentliche Verbesserung des HbA1c-Wertes durch eine oder mehr Blutzuckermessungen pro Tag.

Kommentar: Dass eine höhere Blutzuckermessfrequenz bessere Stoffwechselergebnisse zeitigt, ist nicht überraschend. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass bei der Mehrzahl der Patienten ab der sechsten Blutzuckermessung kein wesentlicher Gewinn für die Stoffwechselqualität erwartet werden kann.

Rezensent: Prof. Dr. med. Andreas Neu

Quelle: Diabetes-Congress-Report 2/2011 

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