21.10.2011 Langzeitergebnisse mit oralem Insulin

Langzeitergebnisse von Diabetikern, die mit oralem Insulin behandelt wurden
Vehik K, Cuthbertson D, Ruhlig H, Schatz D, Peakman M, Krischer J, For the DPT-1 and TrialNet Study Group; Gainesville, Florida, USA
Long-Term Outcome of Individuals Treated With Oral Insulin (Diabetes Prevention Trial-Type 1 (DPT-1) Oral Insulin trial)
Diabetes Care 2011; 34: 1585-1590
Einleitung/Fragestellung: Untersucht wurden die langfristigen Effekte einer Intervention mit oralem Insulin auf die Entwicklung von Typ-1-Diabetes. Außerdem wurden die Progressionsraten zu Typ-1-Diabetes vor und nach dem Abbruch der Behandlung mit oralem Insulin im Diabetes-Prevention-Trial-Type 1 (DPT-1) bestimmt.
Patienten/Methoden: Das Follow-up schloss Personen ein, die in den Jahren 1994 bis 2003 eine frühe Intervention mit oralem Insulin erhalten hatten, um Typ-1-Diabetes zu verhindern oder zu verzögern. Im Jahr 2009, d.h. sechs Jahre nach Abbruch der Interventionsstudie, wurden Telefoninterviews geführt, um zu erfahren, ob mittlerweile ein Diabetes diagnostiziert wurde. Wenn nicht, wurde bei Einverständnis ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) durchgeführt und HbA1c sowie Autoantikörper bestimmt.
Ergebnisse: Von den 372 Teilnehmern der Studie hatten bis zum Abbruch der oralen Insulingabe im Jahr 2003 97 Probanden einen manifesten Typ-1-Diabetes entwickelt. Von den übrigen 275 Studienteilnehmern wurden 75% kontaktiert. In der Zwischenzeit hatten 77 Probanden einen Typ-1-Diabetes entwickelt und von den übrigen Teilnehmern hatten 54 eine pathologische Glukosebelastung im OGTT; bei zehn dieser Personen wurde daraufhin ein Typ-1-Diabetes diagnostiziert.
Bei Teilnehmern, die die ursprünglichen Kriterien für Insulin-Autoantikörpern erfüllten (IAAs über 80nU/ml), blieb der Vorteil der Behandlung mit oralem Insulin insgesamt signifikant (p=0,05). Jedoch erhöhte sich die Hazard-Rate nach Abbruch der Medikation von 6,4 auf 10,0% und entsprach damit ungefähr der Rate von Patienten, die mit Plazebo behandelt wurden (10,2%).
Schlussfolgerung: Die orale Insulinbehandlung hat bei Patienten mit hohen Autoimmunantikörpern (IAAs über ?80nU/ml) eine nachweislich effektive und lang anhaltende Wirkung. Nachdem jedoch die Therapie mit oralem Insulin gestoppt wurde, erhöhte sich die Diabetesrate, bis sie der Rate in der Plazebogruppe ähnelte.
Angesichts der nachweislich guten Wirkung von oralem Insulin bei autoimmun positiven Patienten sollten dringend weitere Untersuchungen hinsichtlich einer verbesserten Galenik und Bioverfügbarkeit durchgeführt werden, um die orale Therapie bei diesen Patienten fortzusetzen und wieder in die Klinik einzuführen.
Kommentar: Pharmakokinetisch bleibt es sehr fraglich, ob die bei Typ-1-Diabetes mit hohen Antikörpertitern täglich sehr schwankenden Blutzuckerwerte durch orale Insuline mit ihrer resorptionsverzögerten Wirkung gleich oder besser eingestellt werden können. Dies gilt insbesondere für hyperglykämische Zustände, die sicher durch subkutane Injektionen besser beherrscht werden können. Anders ist die Situation bei Typ-2-Diabetikern: Die gefürchteten Hypoglykämien, zumeist nach subkutanen Insulininjektionen, könnten eventuell unter oralen Insulinen abgeschwächter verlaufen. Die Indikation zu einer oralen Insulinmedikation würde sich daher vorrangig für ältere Typ-2-Diabetiker stellen, während jugendlichen Typ-1-Diabetikern sicherlich die subkutane, individuell adaptierte Insulintherapie vorbehalten bleibt.
Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies
Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 5/2011
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