29.08.2011 Langes Fernsehen mit Typ-2-Diabetes assoziiert

Fernsehen und das Risiko für Typ-2-Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und Gesamtmortalität – eine Meta-Analyse
Grontved A, Hu FB; Harvard, USA
Television viewing and risk of type 2 Diabetes, cardiovascular disease, and all-cause mortality a meta-analysis
JAMA 2011; 305: 2448–2455
Fragestellung: Ausgedehntes Fernsehen (TV) ist die häufigste und am weitesten verbreitete sitzende Tätigkeit in industrialisierten Ländern und wurde mit Morbidität und Mortalität assoziiert. Allerdings ist eine systematische und quantitative Begutachtung publizierter Studien bisher nicht verfügbar.
Methodik: Metaanalyse mit prospektiven Kohortenstudien, um die Assoziation zwischen Fernsehen und dem Risiko für Typ-2-Diabetes, tödliche und nicht-tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen und Gesamtmortalität zu bestimmen.
Über eine Suche in der MEDLINE-Datenbank zwischen 1970 und März 2011, der EMBASE-Datenbank zwischen 1974 und März 2011 sowie der Durchsicht der entsprechenden Literaturverzeichnisse wurden ohne Einschränkungen relevante Studien identifiziert. Eingeschlossen wurden Kohortenstudien, in denen relative Risikoabschätzungen für die betreffenden Assoziationen als 95% Konfidenzintervalle berichtet wurden.
Die Daten wurden von jedem Autor unabhängig extrahiert und Summenabschätzungen der Assoziation wurden mittels eines Zufalls-Effekt-Modells ermittelt.
Ergebnisse: In vier von acht eingeschlossenen Studien wurden Ergebnisse zu Typ-2-Diabetes berichtet (175938 Individuen; 6428 inzidente Fälle, während 1,1 Millionen Personenjahren der Nachbeobachtung).
Vier Studien berichteten zu tödlichen und nicht-tödlichen kardiovaskulären Erkrankungen (34253 Individuen; 1052 inzidente Fälle) und drei berichteten zur Gesamtmortalität (26509 Individuen; 1879 Todesfälle, während 202353 Personenjahren Nachbeobachtung).
Die zusammengefassten relativen Risiken pro zwei Stunden Fernsehen pro Tag lagen bei 1,20 (95% CI, 1,14-1,27) für Typ-2-Diabetes, 1,15 (95% CI, 1,06-1,23) für tödliche und nicht-tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen, und bei 1,13 (95% CI, 1,07-1,18) für die Gesamtmortalität.
Während die Assoziationen zwischen der mit Fernsehen verbrachten Zeit und den Risiken für Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen linear waren, schien die Assoziation des Risikos für die Gesamtmortalität ab einer Fernsehdauer von mehr als drei Stunden pro Tag anzusteigen.
Die geschätzten absoluten Risikodifferenzen pro zwei Stunden Fernsehen pro Tag betrugen 176 Fälle von Typ-2-Diabetes pro 100000 Individuen und Jahr, 38 Fälle von tödlichen kardiovaskulären Erkrankungen pro 100000 Individuen und Jahr, und 104 Todesfällen pro 100000 Individuen und Jahr.
Schlussfolgerung: Ausgedehntes Fernsehen war mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und Gesamtmortalität assoziiert.
Kommentar: Es bleibt in weiteren Studien zu prüfen, ob und in welchem Ausmaß bei der Verringerung einer ausgedehnten Fernsehzeit die gezeigten Assoziationen zwischen Fernsehen und einem erhöhten Risiko für die Entwicklung chronischer Erkrankungen und steigender Mortalität reversibel sind.
Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert
Quelle: Diabetes-Congress-Report 4/2011
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