07.03.2011 Gewichtszunahme: Körperliche Aktivität wird langfristig belohnt

Aufrechterhaltung eines hohen körperlichen Aktivitätsniveaus über 20 Jahre und Gewichtszunahme
Hankinson AL, Daviglus ML, Bouchard C, Carnethon M, Lewis CE, Schreiner PJ, Liu K, Sidney S; Chicago, USA
Maintaining a high physical activity level over 20 years and weight gain
JAMA 304: 2603 2610 (2010)
Fragestellung: Es gibt nur eine dünne Datenlage zur Unterstützung der Leitlinien zur körperlichen Aktivität für die Prävention einer Langzeit-Gewichtszunahme, v.a. für den Zeitraum, in dem das Risiko für eine Gewichtszunahme am höchsten ist. Ziel war es, die Beziehung zwischen üblichen Aktivitätsniveaus und Änderungen des Body-Mass-Index (BMI) und des Taillenumfangs über einen Zeitraum von 20 Jahren zu erfassen.
Methodik: Die Coronary Artery Risk Development in Adults (CARDIA)-Studie ist eine prospektive longitudinale Studie mit 20 Jahren Nachbeobachtungszeit, in den Jahren 1985-1986 bis 2005-2006. Übliche Aktivität war definiert als Beibehaltung hoher, moderater oder niedriger Aktivitätsniveaus, basierend auf Geschlechts-spezifischen Tertilen der Aktivität zu Beginn der Studie.
Die Teilnehmer bestanden aus einer Populations-basierten Multicenter-Kohorte (Chigago, Illinois; Birmingham, Alabama; Minneapolis, Minnesota; Oakland, California) aus 3554 Männern und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren zu Beginn der Studie.
Hauptendpunkt war die Erfassung von Änderungen in BMI und Taillenumfang.
Ergebnisse: Über 20 Jahre ging die Beibehaltung von hohen Aktivitätsniveaus mit geringeren Zunahmen von BMI und Hüftumfang einher, verglichen mit niedrigem Aktivitätsstatus und nach Adjustierung auf ethnische Herkunft, basalen BMI, Alter, Ausbildung, Rauchstatus, Alkoholkonsum und Energieaufnahme.
Männer mit hohem Aktivitätsniveau nahmen 2,6kg weniger pro Jahr zu (BMI +0,15 kg/m2; 95% Konfidenzintervall [CI], 0,11-0,18 vs. +0,20 in der niedrigen Aktivitätsgruppe; 95% CI, 0,17-0,23) und Frauen, welche höhere Aktivitätsniveaus beibehielten, nahmen 6,1kg weniger pro Jahr zu (BMI +0,17kg/m2; 95% CI, 0,12-0,21 vs. +0,30 in der Niedrigaktivitätsgruppe; 95% CI, 0,25-0,34).
Männer, die eine hohe Aktivität beibehielten, nahmen 3,1cm weniger an Hüftumfang pro Jahr zu (=0,52cm; 95% CI, 0,43-0,61cm vs. 0,67cm in der Niedrigaktivitätsgruppe; 95% CI, 0,60-0,75cm) und Frauen mit Beibehaltung höherer Aktivitätsniveaus nahmen 3,8cm weniger pro Jahr zu (+0,49cm; 95% CI, 0,39-0,58cm vs. 0,67cm in der Niedrigaktivitätsgruppe; 95% CI, 0,60-0,75).
Schlussfolgerung: Die Einhaltung hoher Aktivitätsniveaus während des jungen Erwachsenenalters hindurch könnte die Gewichtszunahme in der Transition zum mittleren Alter verringern, v.a. bei Frauen.
Kommentar: Bereits eine moderate körperliche Aktivität im jungen Erwachsenenalter war besonders bei Frauen mit geringerer Gewichtszunahme im mittleren Lebensalter assoziiert. Nach den hier vorliegenden Daten könnten bereits 30 Minuten tägliche körperliche Aktivität erhebliche Auswirkungen auf die spätere Körpergewichtsentwicklung haben. Geringere Effekte bei Männern wurden auch in früheren Studien beobachtet und könnten möglicherweise auf weniger akkurate Erfassung der körperlichen Aktivität durch diese Personengruppe zu erklären sein.
Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert
Quelle: Diabetes-Congress-Report 1/2011
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