18.11.2011 Keine flächendeckende Versorgung in Schulen

In einer italienischen Befragung gaben 43,6% der Eltern an, dass der Typ-1-Diabetes die schulischen Aktivitäten ihrer Kinder negativ beeinflusst habe.

Das ALBA-Projekt: Evaluation von Bedürfnissen, Management und Ängsten junger italienischer Patienten mit Typ-1-Diabetes in der Schule unter Berücksichtigung der Wahrnehmung von Eltern und Lehrern

Pinelli L, Zaffani S, Cappa M, Carboniero V, Cerutti F, Cherubini V, Chiarelli F, Colombini MI, La Loggia A, Pisanti P, Vanelli M, Lorini R

The ALBA Project: an evaluation of needs, management, fears of Italian young patients with type 1 Diabetes in a school setting and an evaluation of parents‘ and teachers‘ perceptions.

Pediatric Diabetes 2011; 12: 485-493

Ziel: Ziel dieser Studie war es, zu untersuchen, wie italienische Eltern und Lehrer von Kindern mit Typ-1-Diabetes im Alter von 6 bis 13 Jahren mit ihrem Diabetes umgehen. Berücksichtigt wurden die Insulinverabreichung, das Management von Hypoglykämien sowie der Einsatz von Glukagon. Zusätzliches Ziel war die Untersuchung der Verantwortlichkeiten sowie eine Evaluation des Wissensstandes bei den Mitarbeitern der Schule.

Methode: Die Studie wurde in zwei Abschnitten durchgeführt: Im ersten Abschnitt erfolgte eine Befragung in Kleingruppen. In der zweiten Phase wurden die Daten mittels eines semistrukturierten Fragebogens bei einer Stichprobe von Eltern und Lehrern erhoben.

Ergebnisse: Für die Auswertung verfügbar waren 220 Elternfragebogen und 52 Lehrerfragebogen. 43,6% der Eltern erklärten, dass der Diabetes die schulischen Aktivitäten negativ beeinflusst habe. In den meisten Fällen erfolgte die Insulingabe durch die Kinder selbst oder mit Unterstützung ihrer Eltern. Nur in seltenen Fällen (3,6%) erfolgte die Insulingabe durch eine Krankenschwester oder einen Lehrer (2,9%).

Die meisten Eltern (55,9%) berichteten, dass in der Schule kein Kühlschrank für die Glukagonlagerung zur Verfügung stehe oder dass sie nicht wüssten, ob die Schule diesbezüglich ausgestattet sei. Ein kleiner Prozentsatz der Lehrer betrachtete die jeweilige Schule als ausreichend gerüstet für den Notfall (23%) und erklärte, dass sie im Notfall auch Glukagon verabreichen würden (14,9%). Lediglich 40,4% der Lehrer berichteten, dass sie ein spezielles Training erhalten hätten.

Schlussfolgerungen: Menschen, die nicht unmittelbar mit Diabetes zu tun haben, zeigen lediglich oberflächliche Kenntnisse im Umgang mit Diabetes. Eltern führen dies nicht auf Desinteresse zurück und berichten auch nicht über fehlerhaftes Management.

Gesetzliche Grundlagen, welche die Aufgaben der Schule im Zusammenhang mit Typ-1-Diabetes bei Kindern regeln, fehlen und Lehrer sind zunächst einmal nicht entsprechend ausgebildet. Aufklärung sowohl für Lehrer als auch für übergeordnete gesetzgebende Behörden hinsichtlich Insulinverabreichung und Glukagoneinsatz ist entscheidend, um Kindern mit Diabetes eine vollständige Integration zu ermöglichen.

Kommentar: Nur wenige Länder verfügen flächendeckend über medizinisches Personal für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Schulen. Deshalb gehört es mit zu den Aufgaben der Verantwortlichen (Eltern und Diabetesteam), sich um die schulischen Belange und eine suffiziente Diabetesbetreuung im Alltag zu kümmern. Weil adäquate Finanzierungsmodelle nicht etabliert sind, muss für unterstützende Maßnahmen häufig auf Fördervereine, Spenden oder die Mittel von Stiftungen zurückgegriffen werden.

Rezensent: Prof. Dr. med. Andreas Neu

Quelle: Diabetes-Congress-Report 5/2011

 

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