11.04.2011 Kein Signal für Pankreatitis unter Inkretin-Medikamenten

In einer Datenbankanalyse fand sich kein Zusammenhang zwischen einer Therapie mit dem GLP-1-Mimetikum Exenatid oder dem DPP-4-Hemmer Sitagliptin und akuter Pankreatitis.

Akute Pankreatitis bei Typ-2-Diabetikern unter der Behandlung mit Exenatid oder Sitagliptin (eine retrospektive Beobachtungsstudie)

Gard R, Chen W, Pendergrass M; Texas, USA

Acute pancreatitis in type 2 Diabetes treated with exenatide or sitagliptin (a retrospective observational pharmacy claims analysis)

Diabetes Care 2010; 32: 2349-2354


Einleitung/Fragestellung: In der Literatur wird über Fälle einer akuten Pankreatitis im Zusammenhang mit Exenatid, Sitagliptin sowie bei Typ-2-Diabetikern auch ohne diese Medikamente berichtet. Es ist unbekannt, ob Exenatid oder Sitagliptin das Risiko für eine akute Pankreatitis erhöhen.

Patienten/Methoden: Durchgeführt wurde eine retrospektive Kohortenstudie anhand einer großen Datenbank mit medizinischen und pharmazeutischen Befunden zu Nebenwirkungen. Es wurden die Angaben von 786.656 Patienten analysiert.

In einer statistischen Wahrscheinlichkeitsbestimmung wurde das Risiko einer akuten Pankreatitis zwischen Diabetikern und Patienten ohne Diabetes sowie unter der Therapie mit Exenatid, Sitagliptin und begleitender Diabetesmedikation überprüft.

Ergebnisse: Die Inzidenz einer akuten Pankreatitis war bei Patienten ohne Diabetes, bei Typ-2-Diabetikern mit üblicher oraler Begleitmedikation, unter der Behandlung mit Exenatid und schließlich unter der Therapie mit Sitagliptin 1,9 bzw. 5,6 bzw. 5,7 bzw. 5,6 Fälle pro 1.000 Personen.

Das Risiko für eine akute Pankreatitis war mit Typ-2-Diabetes signifikant höher als in der nicht-diabetischen Kontrollgruppen (adjustierter Hazard Ratio [HR] 2,1, CI 1,7-2,5). Die Risiken für eine akute Pankreatitis waren ähnlich in der Exenatidgruppe vs. der diabetischen Kontrollgruppe (HR 0,9, 95% CI 0,6-1,5) und der Sitagliptingruppe vs. der diabetischen Kontrollgruppe (HR 1,0, 95% CI 0,7-1,3).

Schlussfolgerung: Die Untersuchungen ergeben generell für Typ-2-Diabetiker ein erhöhtes Risiko, an einer akuten Pankreatitis zu erkranken, im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes. Ein Zusammenhang zwischen einer Therapie mit Exenatid oder Sitagliptin und akuter Pankreatitis fand sich nicht, das Risiko ist vergleichbar wie bei Typ-2-Diabetikern ohne Inkretin-Präparate. Die Autoren weisen auf die Limitationen der Datenbank hin.

Kommentar: Die Kombinationsbehandlung von Typ-2-Diabetikern mit üblicher oraler Diabetesmedikation und zusätzlich Exenatid oder Sitagliptin könnte durch die Addition von Risikoeinflüssen ein gewisses erhöhtes Risiko für das Auftreten einer akuten Pankreatitis bedeuten. Dazu fehlen aber noch ausreichende Befunde und insbesondere Langzeituntersuchungen.

Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies

Quelle: Diabetes-Congress-Report 1/2011 

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