10.03.2011 Screening auf Nierenerkrankung bei Diabetes kosteneffektiv

Bevölkerungsbasiertes Screening auf eine chronische Nierenerkrankung: eine Studie zur Kosten-Nutzen-Analyse
Manns B, Hemmelgarn B, Tonelli M, Au F, Chiasson TC, Dong J, Klarenbach S für das Alberta Kidney Disease-Netzwerk; Calgary, Kanada
Population based screening for chronic kidney disease: cost effectiveness study
BMJ 2010; 341:c5869
Fragestellung: Durchgeführt wurde eine Kosten-Nutzen-Analyse eines bevölkerungsbasierten Screenings auf eine chronische Nierenerkrankung, deren Diagnose auf der geschätzten glomerulären Filtrationsrate beruhte.
Studiendesign: Die Kosten-Nutzen-Analyse des Screenings mit der geschätzten glomerulären Filtrationsrate allein verglichen mit keinem Screening (mit dem Zugeständnis von zufällig gefundenen Fällen mit chronischer Nierenkrankheit). Die Analysen wurden stratifiziert nach Alter, Diabetes und dem Vorliegen einer Proteinurie. Szenario- und Sensitivitäts-Analysen, einschließlich der „probabilistic sensitivity“-Analyse, wurden erstellt.
Die Kosten wurden bei allen Erwachsenen und in den Subgruppen, definiert nach Alter, Diabetes und Hypertonie, geschätzt.
Studienort: Das mit öffentlichen Mitteln ausgestattete kanadische Gesundheitssystem.
Teilnehmer: Eine große bevölkerungsbasierte Labor-Kohorte wurde herangezogen, um die Mortalitätsraten und die Inzidenz einer terminalen Niereninsuffizienz bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit über einen Zeitraum von fünf Jahren abzuschätzen. Bei den Patienten war die glomeruläre Filtrationsrate bisher nicht erfasst worden.
Hauptzielparameter: Lebenslange Kosten, terminale Niereninsuffizienz, Zugewinn von “quality adjusted life years” (QALYs) und zusätzliche Kosten für den Zugewinn eines QALY.
Ergebnisse: Verglichen mit dem Verzicht auf ein Screening war das bevölkerungsbasierte Screening auf eine chronische Nierenkrankheit mit zusätzlichen Kosten von 463$C (kanadische Dollar im Jahr 2009, umgerechnet 308€) und einem Gewinn von 0,0044 QALYs pro Patient assoziiert, was Kosten für den Zugewinn eines QALY von 104900$C (69758€) bedeutet.
In einer Kohorte von 100000 Personen würde das Screening auf eine chronische Nierenkrankheit die Zahl der Personen, die im Laufe ihres Lebens eine terminale Niereninsuffizienz entwickeln, von 675 auf 657 reduzieren. In den Subgruppen der Personen mit und ohne Diabetes waren die Kosten für den Zugewinn eines QALY 22600$C (15029€) bzw. 572000$C (380380€).
In einer Kohorte von 100000 Personen mit Diabetes würde das Screening die Zahl der Personen, die im Laufe ihres Lebens eine terminale Niereninsuffizienz entwickeln, von 1796 auf 1741 reduzieren. Bei Personen ohne Diabetes mit und ohne Hypertonie waren die Kosten für den Zugewinn eines QALY 334000$C (222000€) bzw. 1411100$C (940000€).
Schlussfolgerung: Ein bevölkerungsbasiertes Screening auf eine chronische Nierenkrankheit mit Erfassung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate ist insgesamt und in den Subgruppen der Personen mit Hypertonie oder bei älteren Personen nicht kosteneffektiv. Ein gezieltes Screening bei Personen mit Diabetes ist mit Kosten pro QALY assoziiert, die ähnlich hoch wie andere im öffentlichen Gesundheitssystem akzeptierte Interventionen sind.
Kommentar: Die Studie unterstützt die Forderung nach einem jährlichen Screening auf eine chronische Nierenkrankheit bei Diabetikern, und zwar mit der geschätzten glomerulären Filtrationsrate.
Rezensent: Prof. Dr. med. Hans Uwe Janka
Quelle: Diabetes-Congress-Report 1/2011
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