26.09.2011 Intensive Diätintervention bald nach der Diagnose

Am Anfang der Typ-2-Diabetesbehandlung ist eine Lebensstilveränderung der alleinigen medikamentösen Therapie überlegen.

Diät oder Diät plus körperliche Aktivität im Vergleich zur Standardbehandlung bei neu diagnostizierten Typ-2-Diabetikern: die randomisierte Early ACTID Studie

Andrews RC, Cooper AR, Montgomery AA, Norcross AJ, Peters TJ, Sharp DJ, Jackson N, Fitzimons K, Bright J, Coulman K, England CY, Gorton J, McLenaghanA, Paxton E, Polet A, Thompson C, Dayan CM; Bristol, Großbritannien

Diet or diet plus physical activity versus usual care in patients with newly diagnosed type 2 Diabetes: the Early ACTID randomised controlled trial

Lancet, Early Online Publication, 25 June 2011


Wissenschaftlicher Hintergrund: Lebensstiländerungen kurz nach der Diagnose könnten das Behandlungsergebnis bei Patienten mit Typ-2-Diabetes verbessern, aber keine große Studie hat bisher diese Interventionen verglichen. Die Effekte von Diät und körperlicher Aktivität auf Blutdruck und Blutzuckerkonzentrationen war deshalb Ziel dieser Studie.

Methoden: Es wurde eine randomisierte, kontrollierte Studie im Südwesten von England bei Erwachsenen im Alter von 30 bis 80 Jahren durchgeführt, bei denen ein Typ-2-Diabetes fünf bis acht Monate vor Studieneinschluss diagnostiziert worden war. Die Teilnehmer wurden einer üblichen Behandlung (initiale Diätberatung mit einem Follow-up alle sechs Monate; Kontrollgruppe) und einer intensivierten diätetischen Intervention (Diätberatung alle drei Monate mit monatlicher Unterstützung durch eine Diabeteskrankenschwester) oder diesem Diätprogramm plus einem Pedometer-basierten körperlichem Bewegungs-Programm, in einem 2:5:5-Verhältnis, zugeteilt.

Der primäre Endpunkt war die Verbesserung des HbA1c und des Blutdrucks alle sechs Monate. Die Analysen erfolgten nach „Intention to treat“. Die Studie wurde unter der Nummer ISRCTN92162869 registriert.

Ergebnisse: Von den 593 ausgewählten Personen wurde 99 der üblichen Behandlung, 248 dem Diätregime und 246 Diät und körperlicher Aktivität zugeteilt. Endergebnisse waren bei 587 (99%) vorhanden und bei 579 (98%) Teilnehmern nach sechs bzw. zwölf Monaten.

Nach sechs Monaten hatte sich die Blutzuckereinstellung in der Kontrollgruppe verschlechtert (mittleres Baseline-HbA1c 6,72%, SD 1,02, und nach sechs Monaten 6,86%, SD 1,02), das HbA1c verbesserte sich aber in der Diätgruppe (baselineadjustierter Unterschied des HbA1c -0,28%, 95% CI -0,46 bis -0,10; p=0,005) und in der Gruppe mit Diät plus körperlicher Aktivität (-0,33%, -0,51 bis -0,14; p<0,001).

Diese Ergebnisse persistierten nach zwölf Monaten, trotz einer geringeren Zahl an Diabetesmedikamenten. Auch das Körpergewicht und die Insulinresistenz verbesserten sich in den Interventions- im Vergleich zu den Kontrollgruppen. Der Blutdruck war in allen Gruppen ähnlich.

Interpretation: Eine intensive Diätintervention bald nach Diagnose kann die Blutzuckereinstellung verbessern. Die zusätzliche Intensivierung der körperlichen Aktivität hat keinen zusätzlichen Nutzen.

Sponsoring: Diabetes UK und das UK Department of Health.

Kommentar: Die Studie zeigt, dass am Anfang der Typ-2-Diabetesbehandlung Lebensstilveränderungen der alleinigen medikamentösen Therapie überlegen sind. Die getestete körperliche Aktivität (fünfmal pro Woche 30 Minuten forsches Gehen) ist allerdings zu wenig, um Stoffwechseleffekte zu zeigen. Ein Ausdauersport (z.B. eine tägliche Golfrunde) könnte einen deutlich größeren Nutzen haben.

Rezensent: Prof. Dr. med. Hans Uwe Janka

Quelle: Diabetes-Congress-Report 4/2011

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