26.10.2011 Hörverlust bei Diabetikern

Risikofaktoren für Hörverlust bei Diabetes mellitus
Bainbridge K, Hoffmann H, Cowie C; Bethesda, Maryland, USA
Risk Factors for Hearing Impairment Among U.S. Adults With Diabetes (National Health and Nutrition Examination Survey 1999-2004)
Diabetes Care 2011; 34: 1540-1545
Einleitung/Fragestellung: Ziel der Studie war die Suche nach Ursachen bzw. Risikofaktoren, die für einen Hörverlust von Diabetikern bei niedrigen/mittleren Frequenzen und bei hohen Frequenzen verantwortlich sein könnten.
Patienten/Methoden: In der repräsentativen nationalen NHANES-Studie wurden 536 Teilnehmer im Alter von 20 bis 69 Jahren in der Zeit von 1999 bis 2004 auf Hörstörungen untersucht. Die audiometrischen Tests wurden bei diagnostizierten und bisher nicht diagnostizierten Diabetikern durchgeführt.
Eine Einschränkung des Hörvermögens wurde bei einem durchschnittlichen Wert aus Einzelton-Hörschwellen von über 25dB definiert, mit Frequenzen von 500, 1?000 und 2?000Hz für den unteren Tonbereich und mit Frequenzen von 3?000, 4?000, 6?000 und 8?000Hz im höheren Tonbereich. Ergänzend wurden unabhängige Risikofaktoren identifiziert.
Ergebnisse: Nach statistischer Berücksichtigung möglicher ethnischer, geschlechts- oder sozialer Unterschiede ergab sich bei einem HDL-Cholesterin unter 40mg/dl ein mehr als doppelt so hohes Risiko für eine Höreinschränkung bei niedrigen/mittleren Frequenzen (Odds ratio 2,20; 95% KI 1,28-3,79).
Bei schlechter Gesundheit war das relative Risiko 3,55-fach erhöht (OR 3,55; 95% KI1,57-8,03). Nach Kontrolle für Alter, Ethnizität, Geschlecht und sozialem Status war das relative Risiko für einen Hörverlust bei hohen Frequenzen bei vorbekannter koronarer Herzerkrankung 4,39-fach (OR 4,39; 95% KI 1,26-15,26) und bei nachgewiesener peripherer diabetischer Neuropathie um den Faktor 4,42 erhöht (OR 4,42; 95% KI 1,26-15,45).
Schlussfolgerung: Niedriges HDL-Cholesterin, eine Koronare Herzkrankheit, schlechte Gesundheit und eine periphere diabetischen Neuropathie korrelieren mit einem erhöhten Risiko für einen Hörverlust bei Diabetikern. Die Qualität der Stoffwechseleinstellung sowie die Art und Durchführung der antidiabetischen Medikation waren nicht mit einem Hörverlust assoziiert.
Kommentar: Im klinischen Alltag sollte insbesondere bei vorbekannten Symptomen einer peripheren diabetischen Neuropathie immer an eine Hörstörung als mögliche Auswirkung einer Neuropathie auf den Nervus Acusticus gedacht werden. Die Beschwerden werden von dem Betroffenen zumeist nicht angegeben oder als Altersschwerhörigkeit bagatellisiert. Diabetiker sollten regelhaft audiometrisch bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt auf eine Neuropathie des Nervus Acusticus untersucht werden.
Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies
Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 5/2011
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