16.10.2011 Höheres Risiko für Nierenzellkarzinom bei Frauen mit Diabetes

Nierenzelltumoren bei Frauen mit Typ-2-Diabetes
Joh H-K, Willett W, Cho E; Boston, USA
Type 2 Diabetes and the Risk of Renal Cell Cancer in Women
Diabetes Care 2011; 34: 1552-1556
Einleitung/Fragestellung: Ein erhöhtes Risiko von Typ-2-Diabetikern für verschiedene Tumore ist bekannt. Die Beziehung zum Nierenzellkarzinom ist jedoch unklar.
Patienten/Methoden: In der US-amerikanischen Nurses Health Study wurden seit dem Jahr 1976 prospektiv 118177 Frauen im Alter von 35 bis 55 Jahren bis zum Jahr 2008 untersucht. Auf einen diagnostizierten Diabetes mellitus abgefragt wurde alle zwei Jahre. Die Hazard Ratios wurden mit einem Cox-Modell berechnet, das für genetische- und Umwelt-Faktoren sowie Alter, BMI (Body-Mass-Index), Blutdruck, Nikotinkonsum und Geburten adjustiert wurde.
Ergebnisse: In dem Zeitraum von 32 Jahren wurden 3531170 Personenjahre beurteilt. Bei 16819 Frauen entwickelte sich ein Typ-2-Diabetes. Bei 330 Frauen wurde ein Nierenzellkarzinom diagnostiziert.
In der multivarianten Analyse ergab sich eine signifikante Beziehung zwischen der Manifestation eines Typ-2-Diabetes und dem gehäuften Auftreten eines Nierenzell-Karzinoms, mit einem Hazard Ratio von 1,60 (95% Konfidenzintervall, KI- 1,19-2,17).
Das Tumorrisiko verstärkte sich beim Auftreten weiterer Komorbiditäten wie Adipositas, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. Im Vergleich zu Frauen ohne Begleiterkrankungen war bei Frauen mit allen drei Komorbiditäten das Risiko für ein Nierenzell-Karzinom 4,13-fach erhöht (HR 4,13; 2,76-6,18).
Schlussfolgerung: Bei Frauen ist die Manifestation eines Typ-2-Diabetes ein unabhängiger Risikofaktor für ein Nierenzellkarzinom. Deutlich verstärkt wird diese Gefährdung bei einer Kombination der Komorbiditäten Adipositas, erhöhtem Blutdruck und Typ-2-Diabetes.
Kommentar: Das erhöhte Risiko von Typ-2-Diabetikern an verschiedenen Tumorerkrankungen zu leiden – nicht nur Nierenzelltumoren – ist, insbesondere in Verbindung mit einem exzessiven Nikotinkonsum, aber auch mit verschiedenen Formen der antidiabetischen Behandlung, bekannt. Onkologische Vorsorgeuntersuchungen sollten bei Diabetikern mit erhöhtem Nikotinkonsum konsequent routinemäßig durchgeführt werden.
Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies
Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 5/2011
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