12.09.2011 Hochsensitives Troponin T zur Risikostratifizierung

Sehr niedrige Spiegel von kardialem Troponin T sind bei Frauen mit Diabetes mit einer höheren Gesamtzahl kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert.

Hochsensitiver kardialer Troponin T-Test und das Risiko einer inzidenten kardiovaskulären Erkrankung bei Frauen mit und ohne Diabetes mellitus

Everett BM, Cook NR, Magnone MC, Bobadilla M, Kim E, Rifai N, Ridker PM, Pradhan AD; Boston/MA, USA

Sensitive cardiac Troponin T assay and the risk of incident cardiovascular disease in women with and without Diabetes mellitus

Circulation 2011; 123: 2811-2818


Hintergrund: Sehr niedrige Spiegel von kardialem Troponin T sind mit einem erhöhten Risiko für einen Kardiovaskulär bedingten Tod bei Patienten mit stabiler chronischer Koronarerkrankung assoziiert. Bislang noch nicht untersucht ist, ob hochsensitive Troponin-T-Spiegel mit ungünstiger kardiovaskulärer Prognose bei Personen ohne KHK verbunden sind.

Methoden/Ergebnisse: Unter Verwendung zweier komplementärer Studiendesigns wurde die Beziehung zwischen initialem kardialen Troponin und inzidenten kardiovaskulären Ereignissen bei Teilnehmern der Women‘s Health Study mit und ohne Diabetes untersucht, bei einer medianen Beobachtungszeit von 12,3 Jahren.

Alle Frauen mit Diabetes wurden bei Vorhandensein von Blutproben in eine Kohortenstudie eingeschlossen (n=512 Frauen mit Diabetes, n=65 Ereignisse). Die Frauen ohne Diabetes wurden für den Einschluss in eine Fall-Kohorten-Analyse ausgewählt (n=564, die Subkohorte einschließend, n=479 Ereignisse).

Hochsensitives kardiales Troponin T (0,003µg/l) ließ sich bei 45,5% der Frauen mit Diabetes und 30,3% der Frauen ohne Diabetes nachweisen (p<0,0001). In Modellen, die für traditionelle Risikofaktoren und HbA1c adjustiert sind, war der Nachweis von hochsensitivem Troponin T bei Frauen mit Diabetes mit späteren kardiovaskulären Ereignissen (Myokardinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod) assoziiert (adjustierte Hazard Ratio 1,79; 95% Konfidenzintervall 1,04-3,07, p=0,036). Dies galt aber nicht bei Frauen ohne Diabetes (adjustierte Hazard Ratio 1,13; 95% Konfidenzintervall 0,82-1,55; p=0,46).

Eine weitere Adjustierung bezüglich pro-BNP und eGFR veränderte diese Beziehung bei den Frauen mit Diabetes nicht substanziell (Hazard Ratio 1,76; 95% Konfidenzintervall 1,00-3,08; p=0,0499). Der Zusammenhang schien durch einen dreifachen Anstieg kardiovaskulärer Todesfälle ausgelöst worden zu sein, der bei Frauen ohne Diabetes nicht beobachtet wurde. 

Schlussfolgerungen: Sehr niedrige aber nachweisbare Spiegel von kardialem Troponin T sind bei Frauen mit Diabetes mellitus mit einer höheren Gesamtzahl kardiovaskulärer Ereignisse und kardiovaskulärem Tod assoziiert. Bei gesunden Frauen ohne Diabetes gab es keine Assoziation eines nachweisbaren Troponin mit kardiovaskulären Ereignissen, verglichen mit einem nicht nachweisbaren Troponin.

Kommentar: Mit dem hochsensitiven Troponin T scheint sich ein neuer, für Risikostratifizierungen geeigneter Parameter heraus zu kristallisieren. Interessant ist die Frage, ob und welche therapeutischen Konsequenzen (nichtinvasive/invasive KHK-Diagnostik) aus einem nachweisbaren hsTroponin T bei einer Patientin mit Diabetes und ohne bekannter KHK gezogen werden müssen.

Rezensent: Dr. med. Florian Thienel

Quelle: Diabetes-Congress-Report 4/2011

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