30.05.2011 Handgelenks-Umfang als Marker für Insulinresistenz?

Zwischen dem Umfang des Handgelenks und der Insulinresistenz besteht bei adipösen Kindern und Jugendlichen eine enge Beziehung, so das Ergebnis einer Studie.

Der Umfang des Handgelenks ist ein klinischer Marker für Insulinresistenz bei übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen

Capizzi M, Leto G, Petrone A, Zampetti S, Papa RE, Osimani M, Spoletini M, Lenzi A, Osborn J, Mastantuono M, Vania A, Buzzetti R; Rom, Italien

Wrist circumference is a clinical marker of Insulin resistance in overweight and obese children and adolescents

Circulation 2011; 123: 1757-1762


Hintergrund: Fettüberschuss ist eine der wesentlichen Determinanten der Insulinresistenz, die die metabolische Basis für die Entwicklung künftiger kardiovaskulärer Ereignisse darstellt. Ziel der vorliegenden Studie war, einen leicht zu bestimmenden klinischen Marker der Insulinresistenz zu finden, um junge Menschen mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen zu identifizieren.

Methoden/Ergebnisse: Es wurden 477 übergewichtige bzw. adipöse Kinder und Jugendliche (mittleres Alter 10,31±2,80 Jahre) konsekutiv eingeschlossen. BMI-SDS, biochemische Parameter im Nüchternzustand und HOMA-Index der Insulinresistenz wurden erhoben.

Statistische Unterschiede wurden unter Verwendung der multiplen linearen Regressionsanalyse berechnet. Bei allen Kindern und Jugendlichen wurde eine manuelle Messung des Handgelenksumfangs durchgeführt. Bei 51 Studienteilnehmern wurde ein NMR des Handgelenks durchgeführt, um die transversale Handgelenksfläche in Höhe des Tuberculum dorsale radii („Lister´s tubercle“) zu bestimmen.

Es fand sich eine statistisch signifikante Assoziation zwischen dem manuell gemessenen Handgelenksumfang und den Insulinspiegeln oder dem HOMA-Index für Insulinresistenz (ß=0,34 bzw. 0,35; p<10-5 für beide Vergleiche). Für diese Assoziationen bestand eine höhere Signifikanz als für den BMI-SDS und die Insulinspiegel oder den HOMA-Index für Insulinresistenz (ß=0,12 bzw. 0,10; p=0,02 für beide Vergleiche).

Die Ergebnisse der NMR-Untersuchung zeigten, dass die Assoziation zwischen Handgelenksumfang und Insulinspiegeln oder HOMA-Index der Insulinresistenz das Verhältnis mit der Fläche des Knochengewebes reflektieren (p<0,01 für beide), aber nicht mit dem Fettgewebe (p>0,05), womit 20% bzw 17% der Abweichungen der beiden Parameter erklärt werden konnten.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der Studie legen eine enge Beziehung zwischen Handgelenksumfang, seiner knöchernen Komponente und der Insulinresistenz bei übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen nahe, was neue Perspektiven in der Vorhersage kardiovaskulärer Erkrankungen eröffnet.

Kommentar: Falls sich die Ergebnisse dieser Studie bestätigen, könnte sich ein Weg ergeben, wie man durch einen einfach zu bestimmenden klinischen Parameter frühzeitig Risikopersonen für kardiovaskuläre Erkrankungen erkennen und speziellen Präventionsprogrammen zuführen könnte. Interessant ist, dass die in anderen Studien gezeigte Assoziation von Insulinspiegeln und Knochenmasse auch in dieser Untersuchung demonstriert werden konnte.

Rezensent: Dr. med. Florian Thienel

Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 3/2011

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