14.03.2011 Größerer Erfolg bei begleitender Depressionsbehandlung

Koordinierte Versorgung von Patienten mit einer Depression und einer chronischen Krankheit
Katon WJ, Lin EH, Von Korff M, Ciechanowski P, Ludman EJ, Young B, Peterson D, Rutter CM, McGregor M, McCulloch D; Seattle, USA
Collaborative care for patients with depression and chronic illnesses.
N Engl J Med. 2010; 363:2611-20
Einführung: Patienten mit einer Depression und unzureichend eingestelltem Diabetes, einer koronaren Herzerkrankung oder beidem tragen ein erhöhtes Risiko für eine ungünstige Prognose und für hohe Gesundheitskosten. Die vorliegende Studie sollte klären, ob eine koordinierte Behandlung der multiplen Krankheiten bei diesen Patienten zu einer verbesserten gesundheitlichen Situation führt.
Methodik: Es wurde eine einfach verblindete, randomisierte kontrollierte Studie an 14 primären Behandlungseinrichtungen im Bundesstaat Washington durchgeführt. In die Studie einbezogen wurden 214 Teilnehmer mit unzureichend kontrolliertem Diabetes, einer koronaren Herzerkrankung oder beidem und zusätzlich einer Depression.
Die Patienten wurden zufällig der Gruppe mit üblicher Versorgung oder einer Interventionsgruppe zugewiesen. In der Interventionsgruppe arbeitete eine ärztlich beaufsichtigte Pflegekraft mit dem Hausarzt jedes Patienten zusammen und ermöglichte eine leitlinienbasierte koordinierte Behandlung mit dem Ziel der Reduzierung der Risikofaktoren, die mit den multiplen Krankheitsbildern verbunden waren.
Das primäre Therapieziel basierte auf einer kombinierten Bewertung des HbA1c, des LDL-Cholesterins, des systolischen Blutdrucks und der Depression (erhoben mit der Symptom-Checklist-20 [SCL-20]) nach zwölf Monaten. Dieses Bewertungsmodell erlaubte eine Einschätzung eines einzelnen übergreifenden Therapieeffekts.
Ergebnisse: Gegenüber der Kontrollgruppe zeigte sich in der Interventionsgruppe nach zwölf Monaten eine größere Verbesserung im HbA1c (Differenz 0,58%-Punkte), im LDL-Cholesterin (Differenz 6,9mg/dl [0,2mmol/l]), im systolischen Blutdruck (Differenz 5,1mmHg) und im SCL-20-Depressionsscore (Differenz 0,40 Punkte) (p<0,001).
Patienten der Interventionsgruppe hatten häufiger eine oder mehr Anpassungen des Insulins (p=0,006), der antihypertensiven Medikation (p<0,001) und der Antidepressiva (p<0,001). Sie hatten eine bessere Lebensqualität (p<0,001) und waren zufriedener mit der Behandlung ihres Diabetes, der KHK oder beiden (p<0,001) und mit der Behandlung der Depression (p<0,001).
Schlussfolgerung: Verglichen mit der üblichen Versorgung führte die Intervention mit Pflegekräften, die eine leitlinienbasierte Behandlung und eine patientenzentrierte Betreuung der Depression und weiterer chronischer Krankheiten durchführten, zu einer signifikanten Verbesserung der somatischen Krankheit und der Depression.
Kommentar: Diese hochrangig publizierte und sorgfältig konzipierte Studie zeigt deutlich, welche Relevanz eine kompetente und personenzentrierte Betreuung in der Behandlung multimorbider Patienten hat. Eine Depression ist U.a. gekennzeichnet durch Antriebsmangel und Einschränkungen in der kognitiven Leistungsfähigkeit, gleichzeitig verlangen die diversen Krankheitsbilder eine hohe Motivation, Selbststeuerung und komplexes Denken. Hier stellt die individuelle Betreuung und angemessene strukturierte Begleitung durch eine Pflegekraft den zentralen Erfolgsfaktor dar. Es kann vor diesem Hintergrund diskutiert werden, ob die Leistungen der Diabetesberater in unserem Gesundheitssystem ähnlich einzuordnen sind.
Rezensent: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Quelle: Diabetes-Congress-Report 1/2011
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