27.01.2012 GLP-1-Mimetikum: Hinweis auf positiven Betazelleffekt

Nach dreijähriger Behandlung mit Exenatide blieb der Dispositions-Index trotz vierwöchiger Therapiepause erhalten – ein Hinweis auf einen positiven Effekt auf die Betazellen.

Bunck M, Corner A, Elisason B, Heine R, Shaginian R, Taskinen M, Smith U, Yki-Järvinen H, Diamant M; Helsinki, Finnland

Effects of Exenatide on Measures of Betacell Function After 3 Years in Metformin-Treated Patients With Type 2 Diabetes

Diabetes Care 2011; 34: 2241-2247

Einleitung/Fragestellung: In vorangegangenen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass eine einjährige Behandlung mit Exenatide im Vergleich zu Insulin glargin die Insulinsekretion steigert, bei vergleichbaren Effekten auf die Blutzuckersenkung. Diese Effekte konnten vier Wochen nach Absetzen der Behandlung nicht mehr nachgewiesen werden. Hier werden die Ergebnisse der genannten Medikamente nach einer zusätzlichen zweijährigen Behandlung berichtet.

Patienten/Methoden: 69 mit Metformin behandelte Typ-2-Diabetiker erhielten randomisiert Exenatide oder Insulin glargin. 46 Typ-2-Diabetiker wurden in die zweijährige Verlängerungsstudie überführt, in der sie ihre Therapien weiter erhielten. 36 Typ-2-Diabetiker (Exenatide: n=16, Glargin: n=20) konnten konstant über drei Jahre behandelt werden.

Die Insulinsensitivität (M-Wert) und die Betazellfunktion wurden im euglykämischen Hyperinsulinämie-Clamp gemessen. Anschließend erfolgte ein Hyperglykämie-Clamp mit Argininstimulation. Die Untersuchungen erfolgten vor Therapiebeginn (Woche 52) und vier Wochen nach Therapiepause (Woche 56 und Woche 172). Ermittelt wurde die durch Glukose stimulierte frühe Phase der C-Peptid-Sekretion mittels M-Wert und der Bestimmung des Dispositionsindexes.

Ergebnisse: Nach dreijähriger Dauer war die Glukosekontrolle mit Exenatide und Insulin glargin ähnlich gut (HbA1c 6,6 +/- 0,2% bzw. 6,9 +/- 0,2%, p=0,186). Exenatide reduzierte im Vergleich zu Glargin signifikant das Körpergewicht (-7,9 +/- 1,8kg, p<0,001). Nach vierwöchiger Behandlungspause stieg der M-Wert des stimulierten C-Peptids unter Exenatide auf 39% (p=0,006), während unter Glargin kein Effekt vorhanden war (p=0,647).

Im Anschluss an die vierwöchige Therapiepause stieg der Dispositionsindex – verglichen mit dem Wert vor der Behandlung – unter Exenatide an, fiel unter Glargin aber ab (1,43 +/- 0,78 und -0,99 +/- 6,5, p=0,028).

Schlussfolgerung: Exenatide und Insulin glargin haben nach dreijähriger Behandlung einen ähnlichen Effekt auf die HbA1c-Werte, wobei Exenatide das Körpergewicht reduzierte, und sich unter Glargin das Gewicht erhöhte. Nach dreijähriger Behandlung mit Exenatide blieb der Dispositionsindex nach einer vierwöchigen Therapiepause erhalten. Dies spricht für eine positive Auswirkung von Exenatide auf die Funktion der Betazellen.

Kommentar: Die metabolisch günstigen Auswirkungen der GLP-1-Analoga auf den Glukosestoffwechsel, sei es auf die Betazellfunktion, die Resorptionsverzögerung oder das zentral verminderte Hungergefühl, sind im Vergleich zur Insulinbehandlung unbestritten. Leider sind die Kostenträger nicht immer zur Kostenerstattung der Behandlung mit GLP-1-Analoga bereit. Dies um so mehr, da ein Benefit auf kardiovaskuläre Endpunkte erst in einigen Jahren in Studien erwartet werden kann. Trotzdem sollte durch individuelle ärztliche Begründung gegenüber den Kostenträgern diese Therapie Risikopatienten nicht vorenthalten werden.

Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies

Quelle: Diabetes-Congress-Report 6/2011

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