16.08.2010 Gewichtszunahme mit Sport nur schwer zu verhindern

Üblicherweise werden 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche zur Prävention empfohlen. Jedoch: Um eine Gewichtszunahme zu verhindern, reicht dies offenbar nicht aus.

Körperliche Aktivität und die Prävention von Gewichtszunahme

Lee IM, Djousse L, Sesso HD, Wang L, Buring JE; Boston, USA

Physical activity and weight gain prevention

JAMA 2010; 303: 1603-1609


Fragestellung: Der benötigte Umfang körperlicher Aktivität zur Verhinderung einer Langzeit-Gewichtszunahme ist unklar. Im Jahre 2008 hatten Leitlinien eine moderate körperliche Aktivität von mindestens 150 Minuten pro Woche (7,5 metabolische Äquivalent [MET]-Stunden pro Woche) empfohlen für „substanzielle gesundheitliche Vorteile“.

In der vorliegenden Studie wurden Assoziationen untersucht zwischen verschiedenem Umfang an körperlicher Aktivität mit Langzeitänderungen des Körpergewichtes bei Frauen unter einer gewöhnlichen Diät.

Methodik: Die prospektive Kohortenstudie mit 34.079 gesunden Frauen aus den USA (mittleres Alter 54,2 Jahre) wurde zwischen 1992 und 2007 durchgeführt. Zu Studienbeginn und nach 36, 72, 96, 120, 144 und 156 Monaten berichteten die Frauen ihren körperlichen Aktivitätsgrad sowie ihr Körpergewicht.

Die Frauen wurden zu jedem Zeitpunkt eingeteilt in Gruppen mit weniger als 7,5, 7,5 bis <21 und >21 MET-Stunden körperlicher Aktivität pro Woche. Mittels Messwiederholungs-Regression wurden prospektiv die physische Aktivität und Gewichtsänderungen über ca. drei Jahresintervalle untersucht. Primärer Endpunkt war eine Änderung des Körpergewichtes.

Ergebnisse: Während der Studie nahmen die Frauen im Mittel 2,6kg an Gewicht zu. Eine multivariate Analyse mit Vergleich von Frauen mit >21 MET-Stunden/Woche versus Frauen mit 7,5 bis 21 MET-Stunden pro Woche zeigte, dass die letztgenannte Gruppe im Durchschnitt (SD) 0,11kg (0,04kg, p=0,003) über einen mittleren Zeitraum von drei Jahren zunahm, im Vergleich zu 0,12kg (0,04, p=0,02) bei Frauen mit weniger als 7,5 MET-Stunden pro Woche.

Es gab eine signifikante Interaktion mit dem Body-Mass-Index (BMI) mit einem inversen Dosis-Wirkungs-Verhältnis zwischen Aktivitätsleveln und Gewichtszunahme bei Frauen mit einem BMI <25 (p im Trend <0,001), aber keine Relation bei Frauen mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 (p im Trend =0,56) oder mit einem BMI von 30 oder höher (p im Trend =0,50).

Insgesamt 4?540 Frauen (13,3%) mit einem BMI <25 zu Studienbeginn hielten erfolgreich ihr Gewicht mit weniger als 2,3kg Gewichtszunahme während der Studie und mittleren Aktivitätsleveln über die Studiendauer bei 21,5 MET-Stunden pro Woche (ca. 60 Minuten pro Tag bei einer moderat intensiven Aktivität).

Schlussfolgerung: Unter einer gewöhnlichen Diät war die körperliche Aktivität nur bei Frauen, deren BMI unter 25 lag, mit geringerer Gewichtszunahme assoziiert. Frauen, welche erfolgreich ihr normales Gewicht hielten und weniger als 2,3kg über den 13-Jahres-Zeitraum zunahmen, hatten ca. 60 min pro Tag einer moderat-intensiven körperlichen Aktivität über die gesamte Studiendauer.

Kommentar: Diese Daten suggerieren, dass die allgemein übliche Empfehlung von 150 Minuten körperlicher Aktivität pro Woche, trotz schützender Effekte auf das Risiko für chronische Erkrankungen, unzureichend scheint, um eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert

Quelle: Diabetes-Congress-Report 3/2010

 

Jetzt bookmarken:del.icio.usMister Wongoneviewgoogle.comYahooMyWebWebnewsYiggItLinkaARENAlive.comMa.gnolia

Aktuelle Ausgabe

  • Themen:

    • IPITA 2011 
    • ADA 2011

Editorial

Heilung des Diabetes mit dem Skalpell?

Was die Adipositaschirurgie realistisch leisten kann, diskutiert Prof. Dr. med. Dr. h.c. Reinhard G. Bretzel, Chefredakteur von DCR.

21.12.2011

Podcast – Fortbildung zum Anhören

Diabetes Lexikon