30.08.2010 Gestationsdiabetes: Nüchternglukose reicht nicht zur Diagnose

Die Bedeutung von postpartalen Messungen der Glukosetoleranz nach durch Gestationsdiabetes komplizierten Schwangerschaften
McClean S, Farrar D, Kelly CA, Tuffnell DJ, Whitelaw DC; Bradford, Großbritannien
The importance of postpartum glucose tolerance testing after pregnancies complicated by gestational Diabetes
Diabet Med 2010; 27: 650-654
Fragestellung: Ziel war es, die postpartale Glukosetoleranz zu überprüfen bei Frauen mit Gestationsdiabetes und die Rolle eines formalen 75g oralen Glukosetoleranztests (OGTT) vs. Nüchternglukosewerte beim Screening auf bleibende Anomalitäten zu evaluieren.
Methodik: Dies war eine retrospektive Studie über eine 10-Jahres-Periode an 985 Frauen nach Schwangerschaft, welche einen Nachuntersuchungstermin sechs Wochen post partum wahrnahmen. Die auf oGTTs gestützte Diagnose wurde mit der durch Nüchternglukosewerte erhaltenen Diagnose verglichen.
Ergebnisse: Es gab 272 anomale postpartale OGTT-Ergebnisse (27,6%), von denen bei 109 Frauen die Diagnose eines Diabetes gestellt wurde. Elf dieser Frauen (10%) hatten eine Nüchternglukose ?6,0mmol/L, und 62 von 114 Fällen wiesen eine Gestörte Glukosetoleranz auf.
Eine Nüchternglukosekonzentration von ?6,1mmol/L konnte in 199 von 272 Fällen eine Gestörte Glukosetoleranz korrekt identifizieren (Sensitivität 0,73). Südasiatische Frauen hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für persistierende Anomalien der Glukosetoleranz als Europäerinnen (32 vs 15%, Chi-Quadrat p<0,0001).
Schlussfolgerung: Eine alleinige Messung der Nüchternglukose postpartum war in der hier untersuchten Population zur akkuraten Klassifizierung der Glukosetoleranz nicht sensitiv genug. Zur Erleichterung einer frühen Erkennung und Behandlung war ein formaler postpartaler OGTT nötig.
Kommentar: Dies ist eine weitere Studie, die zeigt, dass, v.a. bei Frauen, die alleinige Bewertung des Nüchternglukosewertes zur Erkennung eines gestörten Glukosemetabolismus unzuverlässig ist.
Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert
Quelle: Diabetes-Congress-Report 4/2010
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