21.06.2011 Gestationsdiabetes muss sich nicht wiederholen

Effekte von weiteren Schwangerschaften nach einer ersten, durch Gestationsdiabetes erschwerten Schwangerschaft auf das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln: eine populationsbasierte Studie
Retnakaran R, Austin PC, Shah BR; Toronto, Kanada
Effect of subsequent pregnancies on the risk of developing Diabetes following a first pregnancy complicated by gestational Diabetes: a population-based study
Diabet Med 2011; 28: 287-292
Fragestellung: Frauen mit Gestationsdiabetes haben ein hohes Risiko, Typ-2-Diabetes zu entwickeln, basierend auf der postpartalen Progression eines chronischen Betazelldefektes, welcher die Grundlage für die Präsentation mit Dysglykämie während der Schwangerschaft darstellt.
Eine Therapie zur Verbesserung der Insulinempfindlichkeit kann dieses Risiko für Typ-2-Diabetes vermindern, teilweise durch Verringerung der sekretorischen Belastung der Betazellen. Andererseits ist es unbekannt, ob die durch die Insulinresistenz verursachten erheblichen sekretorischen Anforderungen einer darauffolgenden Schwangerschaft die Progression zu einem Typ-2-Diabetes beschleunigen.
Daher sollte untersucht werden, ob folgende, auf einen Gestationsdiabetes folgende Schwangerschaften mit einem Risiko zur Entwicklung von Diabetes assoziiert sind.
Methodik: In einer populationsbasierten administrativen Datenbank wurden alle Frauen in Ontario, Kanada, identifiziert, deren erste Schwangerschaft zwischen April 2000 und März 2007 stattfand und durch einen Gestationsdiabetes erschwert wurde (n=16817). Diese Kohorte wurde über einen Median von 4,5 Jahren nachverfolgt bezüglich folgender Schwangerschaften und der Entwicklung eines Diabetes.
Ergebnisse: Während der Nachbeobachtungsperiode entwickelten 2731 Frauen (16,2%) einen Diabetes. Ein Schwangerschaftsdiabetes trat erneut auf in 41,5% der folgenden Schwangerschaften.
Interessanterweise war nach Adjustierung für Kovariaten eine folgende Schwangerschaft mit einem verringerten Diabetesrisiko assoziiert (adjustierte Ereignisrate (HR) 0,68, 95% KI, 0,60-0,76; p<0,0001). Besonders, da jeder folgende Gestationsdiabetes mit einem moderat erhöhten Diabetesrisiko assoziiert war (adjustierte HR 1,16, 95% KI, 1,01-1,34; p=0,03), während jede Nicht-Gestationsdiabetes-Schwangerschaft mit einem signifikant reduzierten Risiko für Diabetes assoziiert war (adjustierte HR 0,34, 95% KI, 0,27-0,41; p<0,0001).
Schlussfolgerung: Eine auf einen Gestationsdiabetes folgende Schwangerschaft ist nicht zwingend mit einem erhöhten Risiko für Diabetes assoziiert, während das Fehlen eines wiederauftretenden Gestationsdiabetes in einer folgenden Schwangerschaft ein verringertes Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes in dieser Hochrisikopatienten-Population identifizieren könnte.
Kommentar: Nach den hier vorliegenden Daten könnte bei Frauen mit Gestationsdiabetes die Bestimmung des Glukosetoleranzstatus in folgenden Schwangerschaften zu einer veränderten Einschätzung des Risikos für die zukünftige Entwicklung eines Diabetes führen. Obwohl es sich um eine Hochrisiko-Population handelt, scheint sich ein Gestationsdiabetes in fast 60% weiterer Schwangerschaften nicht zu wiederholen und ist in diesem Fall mit einer Reduktion um 66% des zukünftigen Risikos für die Entwicklung eines Diabetes verbunden.
Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert
Quelle: Diabetes-Congress-Report 3/2011
Aktuelle Ausgabe
- Themen:
• AHA 2011
• ADA 2011
• ESPE 2011
• ASN 2011
• ATTD 2012
Editorial
Herzlichen Dank!
Die Chefredaktion von Diabetes-Congress-Report verabschiedet sich von Manuel Ickrath, dem ehemaligen Geschäftsführer des Kirchheim-Verlages.
05.04.2012











