17.02.2011 Fetale genetische Programmierung bei gestörter Glukosetoleranz

Epigenetische Methylierung des Leptingens in Adaption an einen gestörten Glukosemetabolismus in der Schwangerschaft
Bouchard L, Thibault St, Guay S-P, Santure M, Monpetit A, St-Pierre J, Perron P, Brisson D; Quebec, Kanada
Leptin Gene epigenetic adaptation to impaired glucose metabolism during pregnancy
Diabetes Care 2010; 33: 2436-2441
Einleitung/Fragestellung: Untersucht werden sollte, ob sich das Profil der epigenetischen DNA-Methylierung des Leptingens von Müttern mit gestörter Glukosetoleranz in der Schwangerschaft bei deren Nachwuchs verändert.
Patienten/Methoden: Bei 48 Frauen wurde zum Zeitpunkt der Entbindung plazentares Gewebe sowie Blut von der Mutter und aus der Nabelschnur untersucht. 23 Frauen hatten einen Gestationsdiabetes mit gestörter Glukosetoleranz. Bestimmt wurde die Methylierung der Leptin-DNA, die Genexpression und die Konzentration von Leptin im Blut.
Die Analysen erfolgten mittels eines Sequenoms nach dem Epi-Typer-System und quantitativer real-time RT-PCR. Enzymbestimmungen erfolgten mittels der Immunabsorptions-Methode. Die Gestörte Glukosetoleranz wurde im 75g-Glukose-Toleranztest (OGTT) in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche bestimmt.
Ergebnisse: Das Ausmaß der Methylierung der plazentaren Leptingene korrelierte mit dem erhöhten 2h-Glukosespiegel im OGTT-Test bei Frauen mit gestörter Glukosetoleranz (fetale Seite p<0,05, maternale Seite p<0,01).
Weiterhin bestand im Verhältnis zum erhöhten 2h-Glukosewert im gestörten OGTT eine Abnahme der Expression der Leptingene (p<0,05). Die mRNA-Spiegel des plazentaren Leptins erklären 16% der Abweichung maternaler Leptinkonzentrationen (p<0,05).
Schlussfolgerung: Eine Gestörte Glukosetoleranz in der Schwangerschaft ist mit einer adaptiven Methylierung der Leptingene verbunden, die potenziell funktionale Auswirkungen hat. Diese epigenetischen Änderungen sind ein neuer Mechanismus, der dazu beitragen könnte, die schädlichen gesundheitlichen Wirkungen in Zusammenhang mit einer fetalen genetischen Programmierung zu erklären, etwa das langfristig erhöhte Risiko für Adipositas oder Typ-2-Diabetes.
Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies
Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 1/2011
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