20.01.2012 Erklärung für „Jo-Jo-Effekt“ nach Diäten?

Sumithran P, Prendergast LA, Delbridge E, Purcell K, Shulkes A, Kriketos A, Proietto J; Melbourne, Australien
Long-term persistence of hormonal adaptations to weight loss.
N Engl J Med. 2011; 365: 1597-604
Hintergrund: Nach einem Gewichtsverlust verändern sich die Konzentrationen verschiedener zirkulierender peripherer Mediatoren, die an der homöostatischen Regulation des Körpergewichts beteiligt sind. Für die Beobachtung, dass viele Probanden nach einer Diät wieder zunehmen, könnte es eine Rolle spielen, ob diese hormonellen Änderungen vorübergehend sind oder anhalten.
Methodik: 50 übergewichtige oder adipöse Patienten ohne Diabetes wurden in ein Gewichtsreduktionsprogramm aufgenommen. Dieses dauert zehn Wochen und bestand aus einer niedrig-kalorischen Diät (550kcal/Tag). Zu Beginn der Studie (vor der Gewichtsabnahme), nach dem zehnwöchigen Programm und nach 62 Wochen wurden zirkulierende Konzentrationen der Hormone Leptin, Ghrelin, Peptid YY, Gastric Inhibitory Polypeptid, Glucagon-like Peptid-1, Amylin, Pankreatisches Polypeptid, Cholezystokinin und Insulin gemessen. Zusätzlich wurde der Appetit subjektiv eingeschätzt.
Ergebnisse: Ein Gewichtsverlust (Mittel, 13,5kg) verminderte signifikant die Konzentrationen von Leptin, Peptid YY, Cholezystokinin, Insulin (p<0,001 für alle Vergleiche) und Amylin (p=0,002), während die Konzentrationen von Ghrelin (p<0,001), Gastric Inhibitory Polypeptide (p=0,004) und Pankreatisches Polypeptid (p=0,008) signifikant anstiegen. Zusätzlich nahm der Appetit signifikant zu (p<0,001).
Auch ein Jahr nach dem initialen Gewichtsverlust waren die Hormonkonzentrationen im Vergleich zu Studienbeginn signifikant verändert für Leptin (p<0,001), Peptid YY (p<0,001), Cholecystokinin (p=0,04), Insulin (p=0,01), Ghrelin (p<0,001), Gastric Inhibitory Polypeptide (p<0,001), und Pankreatisches Polypeptid (p=0,002). Auch das Hungergefühl blieb verstärkt (p<0,001).
Schlussfolgerung: Ein Jahr nach der Gewichtsreduktion sind die zirkulierenden Mediatoren, die Appetit und Gewichtszunahme regulieren, weiterhin erhöht und nicht auf die Konzentrationen vor dem Gewichtsverlust abgefallen. Langzeitstrategien, die dieser Veränderung entgegenwirken, sind notwendig, um einem Rückfall bei gewollter Gewichtsreduktion vorzubeugen.
Kommentar: Hier verdeutlicht eine kleine, nicht-verblindete Studie ohne Kontrollgruppe und mit hoher Drop-out-Rate (16 der 50 Probanden), was bei so vielen Personen mit dem sogenannten „Jo-Jo-Effekt” nach Gewichtsverlust durch niedrig-kalorische Diät geschieht. Die Hormone, die den Appetit fördern, sind nicht nur während der initialen Hungerphase, sondern auch noch zwölf Monate später erhöht, was die Gewichtszunahme weiter begünstigt. Evolutionär ist gut erklärbar, dass nach einer Hungerphase eine Gewichtszunahme begünstigt wird – in der heutigen Zeit tragen diese Mechanismen jedoch zu anhaltender Adipositas bei. Anschließende Untersuchungen müssen nun klären, ob diese Effekte auch bei langsamer Gewichtsreduktion, wie sie von den deutschen Leitlinien empfohlen werden, auftreten. Zusätzlich bieten diese Ergebnisse interessante Ansätze, um neue Therapien zu entwickeln. Am besten ist es aber natürlich immer noch, einer Adipositas vorzubeugen, sodass Ernährungsumstellungen und Diäten gar nicht erst notwendig werden.
Rezensentin: PD Dr. med. Nanette Schloot
Quelle: Diabetes-Congress-Report 6/2011
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