27.08.2010 Erhöhtes Diabetesrisiko bei erhöhtem ADH-Prohormon

Plasma-Copeptin und das Risiko für Diabetes mellitus
Enhörning S, Wang T, Nilsson PM, Almgren P, Hedblad B, Berglund G, Struck J, Morgenthaler NG, Bergmann A, Lindholm E, Groop L, Lyssenko V, Orho-Melander M, Newton-Cheh C, Melander O; Lund, Schweden
Plasma copeptin and the risk of Diabetes mellitus
Circulation. 2010; 121: 2102-2108
Hintergrund: Untersuchungen an Tieren legen nahe, dass das ADH-System (synonym Arginin-Vasopressin) eine Rolle im Glukosestoffwechsel spielen könnte, aber die Datenlage aus Untersuchungen am Menschen ist begrenzt.
Methoden: Die Autoren untersuchten Plasma-Copeptin, ein stabiles C-terminales Fragment des ADH-Prohormones. Es wurden Ausgangswerte und Longitudinaldaten einer schwedischen Populationsstichprobe verwendet (n=4742; mittleres Alter 58 Jahre, 60% Frauen).
Die Autoren prüften mittels multivariater logistischer Regressionsanalyse die Assoziation von Quartilen ansteigender Copeptin-Spiegel (Quartil mit niedrigstem Spiegel als Referenzwert) mit der Diabetesprävalenz zu Beginn der Erfassung, mit der Insulinresistenz (Spitzenquartile von Nüchtern-Plasmainsulinspiegeln bei Nicht-Diabetikern) und mit der Diabetesinzidenz während der weiteren Beobachtungszeit.
Ein neu aufgetretener Diabetes mellitus wurde gesichert durch drei nationale und regionale Register. Alle Modelle wurden bezüglich klinischer und anthropometrischer Risikofaktoren, Cystatin C und CRP adjustiert.
Ergebnisse: In Querschnittsanalysen war ein steigender Copeptin-Wert assoziiert mit Diabetes mellitus (p=0,04) und Insulinresistenz (p<0,001). Während der Beob-achtungszeit von 12,6 Jahren manifestierte sich bei 174 Personen (4%) ein Diabetes mellitus.
Das Risiko, einen Diabetes mellitus zu entwickeln, stieg mit steigenden Copeptin-Spiegeln auch nach zusätzlicher Adjustierung für Nüchternglukose und Insulin bei Beginn der Erfassung (adjustierte odds ratios, 1,0/1,37/1,79 und 2,09; p=0,004). Die Assoziation mit der Diabetesinzidenz blieb signifikant, wenn die Analysen auf Personen mit einem Nüchternblutzucker von <5,4mmol/l bei Erfassungsbeginn beschränkt wurden (adjustierte odds ratios, 1,0/1,80/1,92 und 3,48; p=0,001).
Schlussfolgerungen: Erhöhte Copeptin-Spiegel sagen ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus unabhängig von etablierten klinischen Risikofaktoren inklusive Nüchternblutzucker und Insulinspiegel voraus. Diese Ergebnisse könnten Konsequenzen für die Risikoabschätzung, neue antidiabetische Therapien und metabolische Nebeneffekte einer Modulation des ADH-Systems haben.
Rezensent: Dr. med. Florian Thienel
Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 4/2010
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