19.09.2011 Erhöhte Metformin-Absorption nach Magen-Bypass-Operationen

Bariatrische Bypass-Operationen erhöhen die Absorption und Bioverfügbarkeit von Metformin. Dies könnte Auswirkungen auf Dosierung und Toxizitätsrisiko von Metformin haben.

Auswirkungen bariatrischer Bypass-Operationen auf die Absorption und Bioverfügbarkeit von Metformin

Padwal R, Gabr R, Sharma A, Langkaas L, Birch D,  Karmalio S, Brocks D; Edmonton, Kanada

Effect of gastric Bypass surgery on the absorption and bioavailability of Metformin

Diabetes Care 2011; 34: 1294-1300

Einleitung/Fragestellung: Bariatrische Operationen bei extrem übergewichtigen Diabetikern nehmen deutlich zu. Bei einer Remission des Diabetes nach bariatrischen Eingriffen kommt es in einem Zeitraum von fünf Jahren bei 40% der Patienten zu einem Rezidiv des Diabetes. Es muss vermutet werden, dass Metformin, das Antidiabetikum der ersten Wahl bei diesen Patienten, durch die bariatrischen Operationen, bei denen der resorbierende Darm verkleinert wird, in seiner Absorption und Bioverfügbarkeit vermindert wird.

Patienten/Methoden: In einer pharmakogenetischen Studie erhielten 16 Patienten ohne Diabetes mellitus mit Zustand nach gastraler Bypass-Operation sowie 16 Kontrollpersonen mit gleichem Geschlecht und Body-Mass-Index (BMI) von 40,0kg/m² zweimal täglich 500mg Metformin als Tabletten.

Blutproben zur Bestimmung der Metforminplasmaspiegel und des Glukosemetabolismus wurden gesammelt nach 0,5, 1,0, 1,5, 2, 3, 4, 6, 8 und 24 Stunden. Die Metforminabsorption wurde bestimmt als Fläche unter der Kurve (AUC) der Medikamentenkonzentrationen von Metformin im Plasma zu den einzelnen Abnahmezeiten. Dies war das vorrangige Ziel der Studie.

Weiterhin wurde die Bioverfügbarkeit von Metformin durch die Bestimmung von Metformin im 24-Stunden-Sammelurin ermittelt. Dies war das zweite Ziel der Studie. 

Ergebnisse: Im Vergleich zu den nicht operierten Kontrollpersonen war die gastrointestinale Absorption von Metformin bei den Patienten nach bariatrischer Bypass-Operation um 21% gesteigert! Die Werte betrugen 13,7 gegen 11,4µg/ml/h. Die mittlere Differenz betrug 2,3µg/ml/h.

Auch die Bioverfügbarkeit von Metformin war um 50?% angestiegen. Die Werte betrugen 41,8 gegen 27,8%. Die mittlere Differenz ergab 14,0%. Die operierten Patienten wiesen eine niedrigere Absorption für Glukose auf, gemessen an der Fläche unter der Konzentrationskurve der Glukosewerte über acht Stunden. Die Werte betrugen 35,8µg/ml/h gegenüber 41,7µg/ml/h.

Der Befund lässt sich nicht allein auf eine veränderte Metforminresorption zurückführen. Dies lässt sich zum Teil auch durch einen Unterschied in den basalen Nüchternblutzuckerwerten beider Gruppen erklären.

Schlussfolgerung: Die Absorption und die Bioverfügbarkeit von Metformin sind nach bariatrischen Bypass-Operationen erhöht. Dies hat Auswirkungen auf die Dosierung und das Toxizitätsrisiko von Metformin. Diese ersten Beobachtungen an einem kleinen Kollektiv sollten in größeren Studien bestätigt werden. Die zugrunde liegenden pathophysiologischen Veränderungen müssen geklärt werden - insbesondere durch den Vergleich der Auswirkungen der verschiedenen möglichen Operationsverfahren, mit einer im unterschiedlichen Ausmaß reduzierten gastrointestinalen Resorptionsfläche.

Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies

Quelle: Diabetes-Congress-Report 4/2011

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