04.08.2011 Erhöht Diabetes das Parkinson-Risiko?

Eine Register-Studie lässt einen pathophysiologischen Zusammenhang zwischen Diabetes und Morbus Parkinson vermuten.

Diabetes mellitus als Risikofaktor für die Parkinson-Erkrankung in Dänemark

Schernhammer E, Hansen J, Rugbjerg K, Wermuth L, Ritz B; Boston, USA

Diabetes and risk of developing parkinson’s disease in denmark

Diabetes Care 2011; 34: 1102–1108


Einleitung/Fragestellung: Das Hormon Insulin ist für die normale Hirnfunktion erforderlich. Ein Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und neurodegenerativen Veränderungen wie der Parkinson-Erkrankung wird vermutet. Untersuchungen anhand des dänischen Bevölkerungsregisters sollten klären, ob bei Diabetikern die Parkinson-Erkrankung besonders häufig auftritt.

Patienten/Methoden: In den Jahren von 2001 bis 2006 wurden im nationalen dänischen Krankenhaus-Register 1931 Patienten mit erstmalig diagnostizierter Parkinson-Erkrankung ermittelt. Diese Patienten wurden randomisiert und mit 9651 Kontrollpersonen gleichen Alters und Geschlechts aus demselben Bevölkerungsregister verglichen.

Analysiert wurden die Art und Häufigkeit der Medikation von Antidiabetika und die Parkinson-Therapie. Die statistische Auswertung erfolgte nach der Logistik-Regressions-Methode.

Ergebnisse: Diabetiker, deren Erkrankung stationär oder ambulant mehrfach ärztlich dokumentiert war, wiesen im weiteren Verlauf der Stoffwechselerkrankung ein Risiko von 36% auf, an einem Morbus Parkinson zu erkranken. Bei Diabetikern unter jeglicher antidiabetischen Behandlung betrug das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung 35% (RR=1,35). Diese Beziehung war bei Frauen ausgeprägter (RR=2,92).

Bei Diabetikern unter der Behandlung mit oralen Antidiabetika war das Risiko einer frühzeitigen Parkinson-Erkrankung wesentlich höher. Andererseits wiesen Patienten mit Morbus Parkinson, insbesondere bei früherer Manifestation unter 60 Jahren, eindeutig ein höheres Diabetesrisiko auf (RR=3,07).

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit der Diagnose eines Diabetes mellitus oder in einer Behandlung mit oralen Antidiabetika ist das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung erheblich, insbesondere das für eine frühe Manifestation, gesteigert. Die Befunde lassen gemeinsame pathophysiologische Zusammenhänge zwischen einer diabetischen Stoffwechselerkrankung und neurodegenerativen Veränderungen vermuten.

Kommentar: Wissenschaftliche Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen einem gestörten Glukosestoffwechsel, den Insulinrezeptoren im Gehirn und degenerativen Hirnerkrankungen, wie dem Morbus Parkinson, werden zur Zeit intensiv von Neurowissenschaftlern untersucht. Ein Zusammenhang mit einem gestörten intrazellulären Glukosemetabolismus der Hirnzellen bei gestörten zerebralen Insulinrezeptoren wird vermutet. Unklar ist, ob ein neurodegenerativer Defekt Ursache oder Auswirkung dieser zerebralen metabolischen Veränderungen ist.

Rezensent: Prof. Dr. med. Rudolf Mies

Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 4/2011

 

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