07.02.2011 Empfehlungen zum Salzkonsum werden ignoriert

Hohe Natrium- und niedrige Kaliumaufnahme bei Patienten mit Typ-2-Diabetes
Ekinci EL, Cheong KY, Dobson M, Premaratne E, Finch S, Maclsaac RJ, Jerums G; Melbourne, Australien
High sodium and low potassium intake in patients with type 2 Diabetes
Diabet Med 27: 1401–1408 (2010)
Fragestellung: Ziel war es, bei Patienten mit Typ-2-Diabetes die Einnahme von Natrium und Kalium sowie die Befolgung der australischen National Heart Foundation-Richtlinien zu untersuchen. Die Patienten hatten ein australisches tertiäres Zentrum und Universitätslehrkrankenhaus aufgesucht.
Methodik: In einer longitudinalen Studie wurden 24-Stunden-Konzentrationen im Urin von Natrium (uNa), Kalium (uKa), Kreatinin (uCr), Harnstoff (uUrea) und Glukose (uGlu) untersucht. Urinvolumen (uVol) und Körpermassenindex wurden bei 122 wiederholt aufgenommenen Patienten untersucht über eine Acht-Jahres-Periode (2001-2008, durchschnittlich 1,9 Proben/Patient und Jahr).
In einer cross-sektionalen Studie wurden die gleichen Messungen bei Patienten, welche Urinproben abgegeben hatten, aufgezeichnet, jeweils im Monat Juni von 2001 bis 2009 (782 Patienten, durchschnittlich 87 Patienten/Jahr).
Ergebnisse: In der longitudinalen Studie war uNa (mmol/24h) 170±53 (Durchschnitt ± Standardabweichung) bei Männern und 142±51 bei Frauen, während uK (mmol/24h) 75±22 bei Männern und 62±18 bei Frauen betrug.
Nach Adjustierung für insensible Verluste hielten sich nur 3% der Männer und 4% der Frauen an die NHF-Leitlinien für Kochsalzaufnahme und 14% der Männer und 3% der Frauen an die Leitlinien für Kaliumaufnahme. Körpermassenindex, uUrea, uVol und uGlu waren unabhängige Vorhersagefaktoren für uNa (adjustiertes r2=0,57, p<0,0001). Der mittlere intraindividuelle Variationskoeffizient für korrigiertes uNa betrug 21±1%.
In der cross-sektionalen Studie wurden diese Ergebnisse bestätigt und vorübergehende Tendenzen wurden nicht beobachtet. Es gab keine Korrelationen mit glykiertem Hämoglobin als Hinweis für Natriurese bei Hyperglykämie.
Schlussfolgerung: Die meisten Patienten mit Typ-2-Diabetes hielten sich nicht an die NHF-Leitlinien für Natrium- oder Kaliumaufnahme. Eine Hoch-Kochsalz- und Niedrig-Kalium-Diät könnte zur Entwicklung von Bluthochdruck und zu einer Verschlechterung des Ansprechens anti-hypertensiver Therapie beitragen.
Kommentar: Eine Reduktion der Kochsalzzufuhr um 3g pro Tag könnte bereits bei nicht-diabetischen Patienten mit Bluthochdruck nach verschiedenen Berechnungen zu einer Verringerung des systolischen Blutdruckes um 5mmHG und des diastolischen Blutdruckes um 2,5mmHg führen, was zu einer Verringerung der Risiken für ischämische kardiale Ereignisse und Schlaganfall um 10 bzw. 13% führen könnte.
Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert
Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 1/2011
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