29.07.2011 Chronische Nierenerkrankung: Drei-Marker-Strategie im Vorteil

Die Messung von Cystatin C, zusätzlich zur kombinierten Kreatinin- und ACR-Messung, verbessert die Risikovorhersage für Gesamtmortalität und terminale Nierenerkrankungen.

Erkennung von Nierenerkrankungen mit Kreatinin, Cystatin C und Albumin-zu-Kreatinin-Ratio im Urin und Assoziationen mit der Progression zur terminalen Nierenerkrankung und Mortalität

Peralta CA, Shlipak MG, Judd S, Cushman M, McClellan W, Zakai NA, Safford MM, Zhang X, Muntner P, Warnock D; San Francisco, USA

Detection of chronic kidney disease with creatinine, cystatin C, and urine Albumin-to-creatinine ratio and association with Progression to end-stage renal disease and mortality

JAMA 2011; 305: 1545-1552


Fragestellung: Eine Drei-Marker-Strategie zur Evaluierung einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) ist nicht gut untersucht. Ziel war es zu prüfen, ob eine Kombination von Kreatinin, Cystatin C und der Albumin-zu-Kreatinin-Ratio (ACR) im Urin zu einer verbesserten Identifizierung des Risikos für CKD führt als Kreatinin allein.

Methodik: Es handelt sich um eine prospektive Kohortenstudie, bei der 26643 Erwachsene aus den USA zwischen Januar 2003 und Juni 2010 in die „Reasons for Geographic and Racial Differences in Stroke“ (REGARDS)-Studie eingeschlossen wurden.

Die Teilnehmer wurden in acht Gruppen eingeteilt, definiert nach geschätzter glomerulärer Filtrationsrate (GFR), welche über Kreatinin bestimmt wurde, und nach einem Cystatin C <60 oder über 60ml/min/1,73m2 und einer ACR <30 oder über 30mg/g. Gesamtmortalität und neu auftretende terminale Nierenerkrankung waren die primären Endpunkte, bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 4,6 Jahren.

Ergebnisse: Die Teilnehmer hatten ein mittleres Alter von 65 Jahren, 40% hatten eine schwarze Hautfarbe und 45% waren Frauen.

Von den 26643 Teilnehmern starben 1940 und 177 entwickelten eine terminale Nierenerkrankung. Unter den Teilnehmern ohne über Kreatinin definierte CKD hatten 24% keine CKD nach ACR- oder Cystatin-C-Kriterien. Verglichen mit denjenigen, bei denen eine CKD nur über Kreatinin definiert wurde, lag die Ereignisrate für Tod in einem multivariat-adjustierten Modell bei 3,3 (95% Konfidenzintervall [KI], 2,0-5,6) für Teilnehmer mit einer über Kreatinin und ACR definierten CKD, 3,2 (95% KI, 2,2-4,7) für diejenigen mit Definition einer CKD über Kreatinin und Cystatin C und 5,6 (95% KI, 3,9-8,2) für diejenigen mit Definition einer CKD über alle Biomarker.

Unter den Teilnehmern ohne über Kreatinin definierte CKD wurde bei 3863 (16%) eine CKD über ACR und Cystatin C erkannt. Im Vergleich zu Teilnehmern, die nach keinem der Kriterien eine CKD hatten, lagen die HRs für Mortalität bei 1,7 (95% KI, 1,4-1,9) für Teilnehmer mit einer nur über ACR definierten CKD, bei 2,2 (95% KI, 1,9-2,7) für Teilnehmer mit Definition einer CKD nur über Cystatin C und bei 3,0 (95% KI, 2,4-3,7) für Teilnehmer, bei denen eine CKD über beide Messwerte definiert wurde.

Das Risiko einer terminalen Nierenerkrankung lag höher bei Personen mit Definition einer CKD über alle Marker (34,1 pro 1000 Personenjahre; 95% KI, 28,7-40,5 vs. 0,33 pro 1000 Personenjahre; 95% KI, 0,05-2,3) als für diejenigen mit Definition einer CKD allein über Kreatinin.

Die zweithöchste Rate für terminale Nierenerkrankung lag bei Personen, die durch die Kreatininmessung übersehen, jedoch über ACR und Cystatin C erkannt wurden (Rate pro 1000 Personenjahre: 6.4; 95% KI, 3,6-11,3). Die Netto-Reklassifizierungs-Verbesserung für Tod betrug 13,3% (p<0,001) und für terminale Nierenerkrankung 6,4% (p<0,001) nach Hinzufügen von geschätzter GFR Cystatin C in voll adjustierten Modellen mit geschätzter GFR Kreatinin und ACR.

Schlussfolgerung: Hinzufügen von Cystatin C zu einer kombinierten Kreatinin- und ACR-Messung verbesserte die prädiktive Genauigkeit für Gesamtmortalität und terminale Nierenerkrankung.

Kommentar: Nach dieser Studie könnte ein erhöhter Cystatin-C-Wert bei kombinierter Messung mit Kreatinin und Albumin im Urin relevante Hinweise liefern zur Identifizierung von Personen mit erhöhtem Mortalitätsrisiko (dreifach erhöhtes Risiko) und terminaler Nierenerkrankung (vierfach erhöhtes Risiko).

Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert

Quelle: Diabetes-Congress-Report 3/2011

 

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