30.09.2011 Blutdruck: Bei Typ-2 scheinen 130 bis 135mmHg akzeptabel

Die augenblickliche Studienlage spricht für ein Blutdruck-Ziel zwischen 130 und 135mmHg bei Typ-2-Diabetes. Bei tieferen Werten stiegen auch die schweren Nebenwirkungen.

Blutdruckziele bei Personen mit Typ-2-Diabetes bzw. eingeschränkter Glukosetoleranz

Bangalore S, Kumar S, Lobach I, Messerli FH; New York, USA

Blood pressure targets in subjects with type 2 Diabetes mellitus/impaired fasting glucose – observations from traditional and bayesian random-effects meta-analyses of randomized trials

Circulation 2011; 123: 2799-2810


Hintergrund: Die meisten Leitlinien zur Therapie des Bluthochdrucks empfehlen ein Blutdruckziel von unter 140/90mmHg und für Patienten mit Diabetes mellitus ein aggressiveres Ziel von unter 130/80mmHg.

In der kürzlich publizierten Studie „Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes“ (ACCORD) war ein niedrigerer Blutdruck dagegen nicht von Vorteil. Das optimale Blutdruckziel für Menschen mit Diabetes mellitus oder eingeschränkter Glukosetoleranz ist daher nicht gut definiert.

Methoden: Die Autoren führten eine PUBMED-, EMBASE- und CENTRAL-Suche nach zwischen 1965 und Oktober 2010 publizierten randomisierten klinischen Studien zur Bluthochdrucktherapie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes oder eingeschränkter Glukosetoleranz/pathologischer Nüchternglukose durch. Ausgewählt wurden Studien, die mindestens 100 Patienten einschlossen, mit einem erreichten Blutdruck von 135mmHg in der intensiv therapierten und 140mmHg in der Kontrollgruppe mit Standardtherapie.

Weitere Kriterien waren eine Beobachtungszeit von mindestens einem Jahr und die Untersuchung makro- oder mikrovaskulärer Ereignisse.

Ergebnisse: Die Autoren identifizierten 13 randomisierte klinische Studien, die insgesamt 37.736 Teilnehmer eingeschlossen hatten. Eine intensive Blutdruckkontrolle war mit einer 10%igen Reduktion der allgemeinen Mortalität assoziiert (Odds Ratio 0,90; 95% Konfidenzintervall 0,83-0,98) sowie mit einer 17%igen Reduktion von Schlaganfällen und einem Anstieg von schwerwiegenden Nebenwirkungen um 20%, jeweils im Vergleich zur Standardtherapie.

Die Zahlen für andere makro- und mikrovaskuläre Ereignisse (kardial, renal, retinal) waren ähnlich wie in den Standardtherapie-Gruppen. Die Ergebnisse waren ähnlich bei Verwendung eines Bayes-Random-Effect-Modells.

Eine intensivere Blutdrucksenkung (<130mmHg) war mit einer stärkeren Verminderung von Schlaganfällen assoziiert, verminderte aber nicht andere Ereignisse. Eine Metaregressionsanalyse zeigte für einen systolischen Blutdruck von unter 120mmHg eine weitere Risikoreduktion für einen Schlaganfall. Jedoch zeigte sich bei einem Blutdruckniveau unter 130mmHg ein Anstieg schwerwiegender Nebenwirkungen um 40%, ohne günstige Effekte für andere Endpunkte.

Schlussfolgerungen: Die augenblickliche Evidenzlage legt nahe, dass für Patienten mit Typ-2-Diabetes bzw. eingeschränkter Glukose/pathologischer Nüchternglukose ein Therapieziel für den Blutdruck zwischen 130 bis 135mmHg akzeptabel erscheint. Dagegen war mit tieferen Zielwerten (<130mmHg) eine Heterogenität bezüglich der Zielorgane zu beobachten – wobei das Risiko für einen Schlaganfall kontinuierlich sank, ohne gleichzeitigen Nutzen bezüglich anderer makro- und mikrovaskulärer Ereignisse (kardial, renal, retinal), bei jedoch steigendem Risiko für schwere Nebenwirkungen.

Rezensent: Dr. med. Florian Thienel

Quelle: Diabetes-Congress-Report 4/2011

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