01.02.2011 Bessere Betreuung der Eltern notwendig

Eine Studie zeigt die hohen Belastungen der Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes. Die Autoren fordern eine bessere psychosoziale Betreuung.

Risikofaktoren für depressive Symptome bei Betreuern von Kindern mit Typ-1-Diabetes oder Zystischer Fibrose.

Driscoll KA, Johnson SB, Barker D, Quittner AL, Deeb LC, Geller DE, Gondor M, Silverstein JH; Tallahassee, USA

Risk factors associated with depressive symptoms in caregivers of children with type 1 Diabetes or cystic fibrosis.

J Pediatr Psychol 2010; 35:814-22


Einführung: Es sollte das Vorkommen depressiver Symptome bei Betreuern von Kindern mit Typ-1-Diabetes oder Zystischer Fibrose (CF) untersucht und assoziierte Risikofaktoren identifiziert werden.

Methodik: Insgesamt 195 Betreuer füllten Fragebogen zu demografischen Daten, zum Stress und zu depressiven Symptomen aus. Der Gesundheitsstatus der Kinder wurde den Patientenakten entnommen.

Ergebnisse: Etwa 33% der Betreuer berichteten von ausgeprägten Symptomen einer Depression (d.h. sie überschritten den entsprechenden klinischen Grenzwert der „Center for Epidemiological Studies-Depression Scale“).

Bei Betreuern von Kindern mit Diabetes zeigten sich Beziehungen zu geringerer Bildung der Eltern, mehr familiärem Stress, höherem Alter des Kindes und schlechterer Stoffwechseleinstellung. Bei Betreuern von Kindern mit CF zeigten sich Beziehungen zwischen erhöhtem familiären Stress, Arbeitslosigkeit und depressiver Symptomatik.

Schlussfolgerung: Viele Betreuer von Kindern mit Typ-1-Diabetes oder Zystischer Fibrose leiden unter depressiven Symptomen. Die Risikofaktoren dafür unterscheiden sich jedoch. Ein Screening auf depressive Symptome bei Betreuern könnte die Chance eröffnen, bei Bedarf frühzeitig eine Intervention anzubieten.

Kommentar: In der Pädiatrie gilt der Leitsatz „Niemand ist alleine krank.“. Es ist hier einmal wieder belegt worden, wie hoch die emotionale, aber auch alltagspraktische Belastung von Müttern Chronisch kranker Kinder ist. Gleichzeitig ist bekannt, dass die somatischen Risiken der Kinder erheblich durch die Gesundheit und psychische Stabilität der Mütter beeinflusst werden. Das Plädoyer der Autoren für eine bessere psychosoziale Betreuung der Mütter und Väter Chronisch kranker Kinder kann nur unterstützt werden.

Rezensent: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange

Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 1/2011

 

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