07.11.2011 Beeinflusst Typ-1-Diabetes die kognitive Funktion der Nachkommen?

Kognitive Funktion bei erwachsenen Nachkommen von Frauen mit Typ-1-Diabetes
Clausen TD, Mortensen EL, Schmidt L, Mathiesen ER, Hansen T, Jensen DM, Holm S, Poulsen L, From M, P. Damm P; Kopenhagen, Dänemark
Cognitive function in adult offspring of women with Type 1 Diabetes
Diabet Med 2011; 28: 838-844
Fragestellung: Mütterlicher Diabetes könnte die kognitive Funktion der Nachkommen beeinflussen. Ziel der Studie war die Erfassung der kognitiven Funktion sowie der potenziellen Prädiktoren hierfür in erwachsenen Nachkommen von Frauen mit Typ-1-Diabetes.
Methodik: Es wurde eine Nachbeobachtungsstudie bei erwachsenen Nachkommen von Frauen mit Typ-1-Diabetes durchgeführt (n=158) und bei Kontrollen aus der Hintergrundpopulation (n=118). Hauptendpunkt war die kognitive Funktion, gemessen mittels des globalen kognitiven Index, welcher mit „Raven´s Progressive Matrices“ und drei verbalen Untertests der „Weschler Adult Intelligence“-Skala bestimmt wurde.
Ergebnisse: Nachkommen von Frauen mit Typ-1-Diabetes zeigten niedrigere kognitive Indizes im Vergleich zu Nachkommen aus der Hintergrundpopulation (94,8 vs. 100,0, p=0,004).
Nach Adjustierung für Störfaktoren gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen (Differenz 0,4, 95% KI -3,3 bis 4). Positive Prädiktoren für die kognitive Funktion der Nachkommen von Frauen mit Diabetes waren der soziale Hintergrund, der Bildungsstatus der Eltern, die Dauer des Diabetes der Mutter, männliches Geschlecht und das Alter des Nachwuchses. Während die Anzahl von Geburten sowie ein Gestationsalter unter 34 Wochen negative Prädiktoren waren.
Es zeigten sich keine Assoziationen zwischen der Glykämie der Mutter oder mit neonatalen Hypoglykämien.
Schlussfolgerung: Eine eingeschränkte kognitive Funktion bei erwachsenen Nachkommen von Frauen mit Typ-1-Diabetes im Vergleich zur Hintergrundpopulation reflektierte Unterschiede in bekannten Störfaktoren. Andererseits könnten ungünstige Effekte einer maternalen Hyperglykämie durch eine Entbindung vor der 34. Woche vermittelt werden.
Kommentar: Den hier präsentierten Daten zufolge hatten der Glukosemetabolismus (anhand von Mittelwerten geschätzt) der Mutter und neonatale Hypoglykämien keine nachteiligen Effekte auf kognitive Funktionen der Nachkommen.
Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert
Quelle: Diabetes-Congress-Report 5/2011
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