23.08.2011 Basalinsulin plus Inkretinmimetika: sinnvolle Kombination?

Zweimal tägliches Exenatid plus Insulin glargin verbesserte in einer Studie das HbA1c - bei gleichzeitiger Gewichtsabnahme und ohne die Hypoglykämierate zu steigern.

Zusätzliche zweimal tägliche Injektion von Exenatid bei Typ-2-Diabetikern unter Insulin glargin

Buse JB, Bergenstal RM, Glass LC, Heilmann CR, Lewis MS, Kwan AY, Hoogwerf BJ, Rosenstock J.

Use of twice-daily exenatide in basal Insulin-treated patients with type 2 Diabetes: a randomized, controlled trial

Ann Intern Med. 2011; 154 (2): 103-112

Hintergrund: Es liegen derzeit nur wenige klinische Daten über die Vor- und Nachteile einer Kombinationstherapie von Insulin und Inkretinmimetika vor. Aus diesem Grund wurde in dieser Studie untersucht, ob es unter einer zweimal täglichen Injektion von Exenatid bei mit Glargin vorbehandelten Patienten zu einer stärkeren Senkung der HbA1c-Werte kommt als mit Glargin plus Plazebo.

Methoden: In der randomisierten, plazebokontrollierten, multizentrischen Studie wurden 261 Patienten mit einem Typ-2-Diabetes eingeschlossen, die mit Insulin glargin alleine oder in Kombination mit Metformin oder Pioglitazon vorbehandelt waren. Vor Studienbeginn lagen die HbA1c-Werte zwischen 7,1 und 10,5%.

Exenatid bzw. Plazebo wurden über 30 Wochen zusätzlich zur oralen Medikation mit Metformin und Pioglitazon (falls vorher vorhanden) gegeben. Der primäre Endpunkt der Studie war die Veränderungen der HbA1c-Werte.

Ergebnisse: Im Verlauf von 30 Wochen sank der HbA1c-Wert mit Exenatid um 1,74%-Punkte, der Abfall in der Plazebogruppe war 1,04%-Punkte (p<0,001). 60% der mit Exenatid behandelten Patienten erreichten einen HbA1c-Wert von unter 7%, wohingegen dieses Ziel nur bei 35% in der Plazebogruppe erreicht wurde.

Im Mittel reduzierte sich das Körpergewicht um 1,8kg unter Exenatid, dagegen nahmen die Patienten in der Plazebogruppe durchschnittlich um 1,0kg zu.

Übelkeit, Diarrhö, Erbrechen, Kopfschmerzen und Verstopfung waren mit Exenatid häufiger. Bei der Hypoglykämierate gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen.

Schlussfolgerungen: Das Add-on von Exenatid zu Insulin glargin verbessert die HbA1c-Werte von Patienten mit unzureichender Stoffwechseleinstellung und geht mit einer geringen Gewichtsabnahme einher, ohne die Hypoglykämierate zu steigern.

Kommentar: Aus physiologischer Sicht ist die Kombination von Insulin und Inkretinmimetika eine vielversprechende therapeutische Option, da es unter Insulintherapie zunächst zur Erholung des Betazellversagens kommt. Inkretine können die endogene Insulinproduktion stimulieren und so die Insulinsekretion verbessern. Es ist daher davon auszugehen, dass diese Kombinationstherapie in Zukunft Einzug in den klinischen Alltag finden wird. Insofern könnte diese Studie möglicherweise wegweisend sein.

Rezensent: Dr. med. Björn A. Menge

Quelle: Diabetes-Congress-Report 4/2011

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