25.11.2011 Autoimmunthyroiditis: Hohe Prävalenz von Typ-1-Diabetes

Prävalenz von Autoantikörpern für Typ-1-Diabetes (GAD und IA2) bei Kindern und Jugendlichen aus Sardinien mit Autoimmunthyroiditis
Pilia S, M. Casini MR, Cambuli VM, Ibba A, Civolani P, Zavattari P, Incani M, Mossa P, Baroni MG, Mariotti S, Loche S; Cagliari, Italien
Prevalence of Type 1 Diabetes autoantibodies (GAD and IA2) in Sardinian children and adolescents with autoimmune thyroiditis
Diabet Med 2011; 28: 896-899
Fragestellung: Typ-1-Diabetes und Autoimmunthyroiditis sind häufige autoimmune Erkrankungen, welche durch Autoantikörpern gegen gewebsspezifische Komponenten charakterisiert sind. Nicht-Schilddrüsenspezifische Antikörper sind häufig bei Patienten mit Autoimmunthyroiditis. Die Prävalenz von Autoantiköpern für Typ-1-Diabetes bei Patienten mit Autoimmunthyroiditis ist unbekannt.
Methodik: Die Prävalenz von Autoantikörpern für Typ-1-Diabetes (GAD und IA2) wurde bei 236 Kindern und Jugendlichen aus Sardinien mit Autoimmunthyroiditis untersucht. GAD- und IA2-Antikörper wurden zum Zeitpunkt der Diagnose der Autoimmunthyroiditis gemessen und nach einem Jahr wiederholt bei den Kindern, welche initial positive Antikörper zeigten. Die Prävalenz von Autoantikörpern wurde in 949 gesunden, nach dem Alter gepaarten Kontrollen evaluiert.
Ergebnisse: Die Prävalenz von GAD- und/oder IA2-Antikörpern war bei Kindern und Jugendlichen mit Autoimmunthyroiditis 8% und 4,1% bei Kontrollpersonen (p=0,017). Bei getrennter Analyse der Antikörper für Typ-1-Diabetes blieb der Unterschied signifikant für IA2 (3,39% bei Autoimmunthyroiditis vs. 1,16% bei Kontrollen, p=0,012), jedoch nicht für GAD (5,1% bei Autoimmunthyroiditis vs. 3,79% bei Kontrollen, p=0,367).
Sieben von zehn Kindern mit Autoimmunthyroiditis und detektierbaren Typ-1-Diabetes-Autoantikörpern zum Zeitpunkt der Diagnose blieben nach einem Jahr positiv. Während der zweijährigen Nachbeobachtung entwickelten zwei Patienten mit positiven Diabetes-Autoantikörpern zum Zeitpunkt der Diagnose einer Autoimmunthyroiditis einen Diabetes.
Schlussfolgerung: Dies ist die erste Studie in welcher die Prävalenz von Typ-1-Diabetes in einer ausgewählten Kohorte von genetisch homogenen Kindern und Jugendlichen mit Autoimmunthyroiditis berichtet wird. Hauptergebnis war, dass bei Patienten mit Autoimmunthyroiditis sowohl die Prävalenz von Typ-1-Diabetes-Autoantikörpern als auch ein neu diagnostizierter Typ-1-Diabetes signifikant höher lag als bei Kindern aus der Kontrollgruppe. Dies legt nahe, dass Kinder mit Autoimmunthyroiditis ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes haben könnten.
Kommentar: Während gut bekannt ist, dass Kinder mit Typ-1-Diabetes ein erhöhtes Risiko für Autoimmunthyroiditis haben, ist die hier gezeigte erhöhte Prävalenz von Typ-1-Diabetes bei Kindern mit Autoimmunthyroiditis bisher nicht beschrieben worden. Ein Screening von Kindern mit Autoimmunthyroiditis auf weitere autoimmune Erkrankungen, einschliesslich einer erhöhten Aufmerksamkeit für Symptome eines möglichen Typ-1-Diabetes, erscheint wichtig.
Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert
Quelle: Diabetes-Congress-Report 5/2011
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