30.06.2011 Auch die nicht-vaskulären Erkrankungen beachten

Neben kardiovaskulären Komplikationen sind bei Diabetikern eine Vielzahl anderer Erkrankungen häufiger als bei Nichtdiabetikern, ergibt eine Auswertung von 97 prospektiven Studien.

Diabetes mellitus, Nüchternglukose und Risiko für ursachenspezifische Mortalität

Emerging Risk Factors Collaboration, Seshasai SR, Kaptoge S, Thompson A, Di Angelantonio E, Gao P, Sarwar N, Whincup PH, Mukamal KJ, Gillum RF, Holme I, Njølstad I, Fletcher A, Nilsson P, Lewington S, Collins R, Gudnason V, Thompson SG, Sattar N, Selvin E, Hu FB, Danesh J, Cambridge, Großbritannien

Diabetes mellitus, fasting glucose, and risk of cause-specific death

N Engl J Med 2011; 364: 829-841


Hintergrund: Es ist bisher nicht geklärt, in welchem Ausmaß Diabetes oder Hyperglykämie mit dem Risiko für Krebs oder andere nicht-vaskuläre Ereignisse assoziiert sind.

Methodik: Die Autoren berechneten die Hazard Ratios (HR) für ursachenspezifische Mortalität in Abhängigkeit vom Diabetes-Ausgangsstatus oder der Nüchternglukose. Es wurden 820900 Personen aus 97 prospektiven Studien mit 123205 Todesfällen untersucht, für die individuelle Daten zur Verfügung standen.

Ergebnis: Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, Raucherstatus und Body-Mass-Index (BMI) ergaben sich folgende HR für Personen mit Diabetes im Vergleich zu nicht-diabetischen Personen: 1,80 (95% KI, 1,71-1,90) für Tod jeglicher Ursache, 1,25 (95% KI, 1,19-1,31) für Tod durch Krebserkrankung, 2,32 (95% KI, 2,11-2,56) für Tod durch vaskuläre Ursache und 1,73 (95% KI, 1,62-1,85) für Tod durch andere Ursachen.

Diabetes versus Nicht-Diabetes war leicht assoziiert mit häufigerem Tod durch Malignome der Leber, des Pankreas, des Ovars, des Kolorektums, der Lunge, der Blase und der Brust. Neben Krebs und vaskulären Erkrankungen zeigte sich Diabetes auch assoziiert mit Tod durch renale, hepatische Erkrankung, Pneumonie und andere Infektionskrankheiten, geistige Störungen, nicht-hepatische Erkrankungen des Verdauungstrakts, äußere Ursachen, Selbstverletzung, Störungen des Nervensystems und die Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung.

HR waren reduziert nach weiterer Adjustierung für glykämische Parameter, aber nicht durch Adjustierung nach systolischem Blutdruck, Lipidwerten, Entzündungs- oder renalen Markern. Nüchternblutglukosewerte über 100mg/dl (5,6mmol/l), aber nicht Werte zwischen 70 und 100mg/dl (2,9-5,6mmol/l) waren mit erhöhter Mortalität verbunden.

Ein 50-Jähriger mit Diabetes starb im Mittel sechs Jahre früher als eine Vergleichsperson ohne Diabetes. Dabei war der Unterschied zu etwa 40% nicht-kardiovaskulären Ereignissen zuzuschreiben.

Schlussfolgerung: Zusätzlich zur vaskulären Erkrankung ist der Diabetes mit vorzeitigem Tod durch verschiedene Krebsarten, Infektionskrankheiten, äußere Ursachen, Selbstverletzungen und degenerative Erkrankungen assoziiert, die unabhängig von einigen Hauptrisikofaktoren sind.

Kommentar: Die Verminderung der Lebenserwartung bei Personen mit Diabetes ist nach wie vor beträchtlich. Diese interessante epidemiologische Arbeit zeigt, dass nicht nur kardiovaskuläre Komplikationen die Prognose der Personen mit Typ-2-Diabetes beeinflussen, sondern vermehrt eine Vielzahl anderer Erkrankungen wie Krebsarten, Infektionserkrankungen und degenerative Erkrankungen. Die Arbeit sollte veranlassen, das Augenmerk bei Diabetikern nicht nur auf das kardiovaskuläre Risiko zu lenken, sondern z.B. auch vermehrt zu Vorsorgeuntersuchungen zu raten.

Rezensent: PD Dr. med. Nanette Schloot

Quelle: Diabetes-Congress-Report 3/2011

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