25.07.2011 Angina pectoris: Medikamente oder frühe Revaskularisation?

Effekte einer optimalen medikamentösen Therapie mit oder ohne Revaskularisation der Koronarien auf Angina pectoris-Symptomatik und weitere Revaskularisationen bei Typ-2-Diabetikern mit stabiler KHK
Dagenais GR, Lu J, Faxon DP, Kent K, Lago RM, Lezama C, Hueb W, Weiss M, Slater J, Frye RL; Quebec, Kanada
Effects of optimal medical treatment with or without coronary revascularization on angina and subsequent revascularizations in patients with type 2 Diabetes mellitus and stable ischemic heart disease
Circulation 2011; 123: 1492-1500
Hintergrund: In der BARI 2D (Bypass Angioplasty Revascularization Investigation 2 Diabetes)-Studie reduzierte eine initiale Strategie einer Revaskularisation der Koronarien kombiniert mit optimaler medikamentöser Therapie (REV) verglichen mit optimaler medikamentöser Therapie mit der Option einer späteren Revaskularisation (MED) nicht die Gesamtmortalität oder den zusammengesetzten Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und stabiler koronarer Herzerkrankung.
Die vorliegende Untersuchung testet in der gleichen Population, ob die REV-Strategie der MED-Strategie bei der Prävention einer Verschlechterung der Angina pectoris-Symptomatik und von koronaren Revaskularisationen als Folgeeingriff überlegen ist.
Methoden: Von den 2364 Studienteilnehmern (mittleres Alter 62,4 Jahre) mit Typ-2-Diabetes und dokumentierter KHK und Myokardischämie wurden 1191 in den Studienarm mit MED-Strategie und 1173 zur REV-Strategie randomisiert.
Innerhalb des REV-Armes wurden 796 einem kathetergestützten Eingriff (PCI) und 377 einer Bypass-Operation unterzogen.
Ergebnisse: Verglichen mit der MED-Strategie zeigte die REV-Strategie in der Nachuntersuchung nach drei Jahren eine geringere Rate an Verschlechterung der Angina pectoris-Symptomatik (8% vs. 13%, p<0,001), an neu aufgetretener Angina pectoris (37% vs. 51%, p=0,001) und an notwendigen koronaren Revaskularisationen im Verlauf (18% vs. 33%, p<0,001) sowie einen höheren Anteil von Patienten ohne Angina pectoris (66% vs. 58%, p=0,003).
Die Patienten in der Bypass-Subgruppe hatten ein höheres Risiko als in der PCI-Subgruppe und profitierten am meisten von der REV-Strategie.
Schlussfolgerung: In der untersuchten Patientenpopulation reduzierte die REV-Strategie das Auftreten einer de-novo-Angina, eine Verschlechterung der Angina pectoris sowie die Zahl der notwendigen späteren koronaren Revaskularisationen mehr als die MED-Strategie. Der Nutzen bezüglich der klinischen Symptome war besonders ausgeprägt bei den Hochrisiko-Patienten.
Kommentar: Das erste Ergebnis der BARI 2D-Studie, dass die rasche Revaskularisation bei stabiler Angina pectoris gegenüber dem abwartenden medikamentösen Vorgehen nicht überlegen ist, relativiert sich nicht nur bezüglich „health status“, sondern nun auch im Hinblick auf Angina pectoris-Symptomatik und die schließlich doch noch durchgeführten Koronarinterventionen. Leider teilen die Autoren nicht mit, welche Indikationen für die im Verlauf durchgeführten koronaren Revaskularisationen bestanden. Auch wird auf das Problem stummer Myokardischämien nicht eingegangen.
Rezensent: Dr. med. Florian Thienel
Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 3/2011
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