29.07.10 Adipöse Jugendliche: Konversion zum Diabetes vermeidbar

Ein-Jahr-Nachbeobachtung bei unbehandelten weißen Kindern und Jugendlichen mit gestörter Glukosetoleranz: hohe Konversionsrate zu normaler Glukosetoleranz
Kleber M, Lass N, Papcke S, Wabitsch M, Reinehr T; Ulm, Deutschland
One-year follow-up of untreated obese white children and adolescents with impaired glucose tolerance: high conversion rate to normal glucose tolerance
Diabet Med 2010; 27: 516-521
Fragestellung: Gestörte Glukosetoleranz (IGT) ist als Risikofaktor für das spätere Auftreten eines Diabetes anerkannt. Ziel dieser Studie war es, vorhersagende Faktoren für IGT bei adipösen Kindern und Jugendlichen zu erkennen.
Methodik: Es wurden prospektiv 79 weiße adipöse Kinder und Jugendliche (mittleres Alter 13,1±2,1 Jahre, 51% weiblich, 76% in der Pubertät) mit IGT untersucht. Anthropometrie, der Zwei-Stunden-Wert im oralen Glukose-Toleranztest (OGTT), Nüchternglukose, Insulin, der Insulin-Resistenz-Index HOMA, HbA1c, Blutfette, Blutdruck, der Hüftumfang und das Pubertätsstadium wurden zu Beginn und nach einem Jahr erfasst.
Ergebnisse: Bei der Nachbeobachtung hatten noch 32% der Kinder IGT, 66% konvertierten zu normalem Glukosemetabolismus, ein Kind hatte eine gestörte Nüchternglukose, und eines entwickelte Typ-2-Diabetes. Kinder mit einer Verbesserung einer IGT hatten ein signifikant niedrigeres Gewicht, niedrigeren Taillenumfang, Triglyzeride, Zwei-Stunden-Glukosewerte im OGTT und HbA1c basal im Vergleich zu Kindern, welche unverändert IGT hatten.
Bei den Kindern, bei denen sich die Glukosetoleranz normalisierte, sank das Gewicht und Serum-Insulin, HOMA, Blutfette und Blutdruck verbesserten sich. Diese Kinder hatten auch eine höhere Wahrscheinlichkeit in ein spätes oder post-pubertales Stadium einzutreten im Vergleich zu Kindern, welche weiter IGT aufwiesen.
Schlußfolgerung: Vorhersagende Faktoren für eine häufig auftretende Normalisierung von IGT bei adipösen Kindern und Heranwachsenden waren niedrigeres Körpergewicht, niedrigere HbA1c und Zwei-Stunden-Glukosespiegel im OGTT basal und Gewichtsreduktion sowie Eintritt in ein spätes pubertäres Stadium während der Nachuntersuchungen.
Kardiovaskulare Risikofaktoren und HOMA verbesserten sich zusammen mit Verbesserung von IGT, wodurch Assoziationen mit IGT, Insulinresistenz und Aspekte des metabolischen Syndroms weiter unterstützt werden.
Kommentar: Die geringe Konversionsrate zu Typ-2-Diabetes bei Kindern mit IGT ist ermutigend und deutet auf die Wichtigkeit von Lebensstilveränderungen in dieser Patientengruppe hin. Allerdings betrug die Beobachtungszeit nur ein Jahr, so dass Langzeitstudien wichtig sind, um die tatsächliche Konversionsrate besser einschätzen zu können.
Rezensent: Dr. med. Martin O. Weickert
Quelle: Online-Archiv Diabetes-Congress-Report 4/2010











